Wie sich Sky vom Premium-Fernsehen verabschiedet

Pay-TV galt in Deutschland lange Zeit als exklusives, werbefreies und niveauvollem Fernsehen. Weit ab vom privaten Werbefernsehen, das minutenweise immer wieder von Shows unterbrochen wurden, die einen regelrechten Niveau-Limbo hinlegten. Premiere, das war einst ein komplett werbefreier Sender, der mit Filmen, hochwertigen Dokumentationen und Serien, sowie der Live-Übertragung der Fußball-Bundesliga als exklusives, als Luxus-Fernsehen galt.

Die Digitalisierung ermöglichte es dem Pay-TV sich langsam für das breitere Publikum schmackhafter zu machen. Während Premiere nur eine handvoll Wiederholungssender aufbaute, kam mit mit DF1 eine ernst zu nehmende Konkurrenz im Pay-TV auf: bekannt geworden mit der Formel 1-Übertragung aus sechs Kameraperspektiven, die der Zuschauer selbst auswählen kann, Film- und Serienkanäle nach Genre getrennt. Aber den großen Durchbruch, den konnten weder Premiere noch DF1 für sich verbuchen. Pay-TV war in Deutschland immer noch Luxus.

Auch der Zusammenschluss beider Pay-TV-Anstalten, die unter dem Namen Premiere World firmierten, brachte nicht viel Wachstum. Die meisten Kunden zog nach wie vor der Fußball an, der mittlerweile durch die Digitalisierung mit allen Spielen präsent ist. Das hat sich bis heute kaum verändert, hat aber Pay-TV langsam die Akzeptanz gebracht. Spätestens mit der Digitalisierung der Kabelnetze und eigener Angebote durch die Kabelnetzbetreiber sowie mit der Einführung von IPTV ist Pay-TV in Deutschland angekommen und salonfähig geworden. Der große Riese dabei ist Premiere World, der sich mittlerweile nach seinem Mutterkonzern Sky nennt.

Das Grundkonzept hat sich kaum geändert – Filme auf mehreren Kanälen, zum Teil thematisch getrennt, zum Teil nur Wiederholungskanäle. Serien und Dokumentationen auf eigenen Sendern, oft auch von über Partnersender eingekauft und natürlich der Sport – aber alles nach wie vor auf hochwertigem Niveau. Lediglich die komplette Werbefreiheit ist schon lange aufgegeben, zwischen den einzelnen Sendungen wird fleißig Werbung geschalten, beim Fußball auch in der Halbzeitpause. Das ist okay, das stört auch nicht, sorgt es schließlich für niedrigere Abo-Gebühren.

Im Januar diesen Jahres hat dann Sky begonnen, auf seinem Kanal Sky Krimi die einzelnen Serienfolgen zu unterbrechen – für Programmhinweise und Werbung. Unterbrecherwerbung, wie man sie sonst nur vom Free-TV kennt. Kürzer zwar, aber es unterbricht das Programm. Und es stört. Damals erklärte Sky noch gegenüber dem Medienmagazin DWDL, dass es „ausschließlich den Sender Sky Krimi und die dort ausgestrahlten Serien“ betrifft1. Und, wie DWDL feststellte, behauptete man nur fünf Jahre vorher, dass es Unterbrecherwerbung bei Sky nicht geben würde.

In rund drei Wochen startet Sky nun den neuen Sender Sky 1. Ein Sender, mit dem man sich dem Free-TV weiter annähern möchte – allerdings vom Zuschauer bezahlt. Ein Sender für den Mainstream, also das, wovon man sich bisher als niveauvoll abheben wollte. Mainstream bedeutet jedoch, dass man beim Niveau-Limbo mitmischen möchte. Und so ist es auch: mit Masterchef bringt man eine weitere Kochshow ins Fernsehen, als ob es nicht mittlerweile so viele gibt, dass der Markt übersättigt ist. Und ironischerweise ist Masterchef auch nur ein neuer Name – denn die Sendung gab es so bereits bei Vox (Kochchampion) und bei Sat.1 (Deutschlands Meisterkoch)2. Beide floppten.

Um sich dem unterirdischen Programmniveau von RTL anzunähern, nimmt man auch noch eine „Comedy“-Sendung ins Programm mit dem Namen „Mitfahr-Randale“. Das Konzept sieht sogenannte Comedians vor, die ahnungslose Mitfahrer im Auto haben und ihnen die Fahrt zum Alptraum machen3. Solches unverschämt niveauloses Vorführen von Menschen hat weder etwas mit Comedy, Unterhaltung oder auch nur ansatzweise mit Niveau zu tun – es ist schlicht und ergreifend einfach nur eine absolute Unverschämtheit – nicht nur den Opfern gegenüber, sondern auch dem Zuschauer. Und erst recht für Abonnenten eines Bezahlfernsehens, dass sich bisher immer mit Exklusivität abheben wollte.

Und zu allem Überfluss wird Sky 1 auch von Beginn an die Sendungen mit Werbung unterbrechen4 und sich damit in keinster Weise vom Free-TV unterscheiden. Dass dieser Kanal nur Abonnenten zur Verfügung steht, also Menschen, die bereits bezahlt haben, schlägt damit dem Fass den Boden aus. Was denkt sich Sky hierbei eigentlich? Das ist nicht die Richtung, für die der Sender einstmals stand – hochwertige Inhalte ohne Werbeunterbrechung. Das ist eine Richtung, die mit der RTL-Gruppe bereits bestens abgedeckt ist – und damit genung menschenverachtende, werbefinanzierte Inhalte für ganz Europa bietet.

Für mich ist eine Sache klar: ich werde mich nach 17 Jahren von DF1, heute Sky, trennen. Für mittlerweile rund 75 Euro für das HD-Komplettpaket gibt es für meine Interessen bis auf den Fußball billigere Alternativen. Aber der Unterbrecherwerbung hat Sky die Tür geöffnet und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie es auch auf ihre restlichen Sender ausweiten – inklusive dem Sport, der zum Teil eh schon zur Dauerwerbesendung mutiert ist. Und diese Entwicklung gehe ich nicht mit. Eher schaffe ich noch das Fernsehen ab.

Quellen:
1: Sky führt Unterbrecher-Werbung bei Serien ein (dwdl.de)
2: Sky kündigt Sky1 und eigenproduzierte Shows an (dwdl.de)
3: Sky 1 veranstaltet mit Eigenproduktion "Mitfahr-Randale" (dwdl.de)
4: Auch Sky 1 startet mit Unterbrecherwerbung (dwdl.de)

Wenn Deutschland…

Wenn in Deutschland eine Psychologin, bei einem mutmaßlichen Selbstmordattentäter keine Suizidgefahr sieht, wie möchte man bei psychisch erkrankten Bürgern suizidale Tendenzen erkennen und ihnen die notwendige Hilfe zukommen lassen? Deutschland, Du hast noch viel zu tun um Deine Bürger gesundheitlich zu umsorgen. Deutschland, ein gesundheitspolitisches Entwicklungsland.

Mit Philips Hue Ambilight TV nachrüsten

Hintergrund

Von den Ambilight-Fernsehern von Philips habt Ihr sicher schon gehört. Fernseher, die eine Beleuchtung für die Hintergrundumgebung eingebaut haben, die in Abhängigkeit des Bildes ihre Farbe ändert. Der Vorteil einer solchen Beleuchtung ist die Schonung der Augen, wenn der Fernseher die einzige Lichtquelle ist. Aber auch sonst ist es durchaus eine nette Spielerei.

Ambilight kann ein Grund sein, sich für einen Fernseher von Philips zu entscheiden. Aber es gibt auch Gründe, warum man sich dagegen entscheidet. Beispielsweise der Preis, die Bildqualität, das Design oder was auch immer. Vielleicht steht auch überhaupt kein Neukauf an. Ich selbst habe mich bei meinem letzten Kauf gegen Philips und für ein Samsung-Gerät entschieden. Ambilight war mir selbst nicht so wichtig.

Irgendwann bin ich auf das Lichtsystem Hue von Philips aufmerksam geworden. Ein System, bei dem man einzelne Leuchtmittel in Helligkeit und Farbe steuern kann. Neben den Leuchtmitteln für herkömmliche Lampen werden auch LED-Streifen, die sogenannten Lightstrips, verkauft.  Diese Lightstrips gibt es in Längen von 2 Metern, die sich bis zu 10 Meter erweitern oder an bestimmten Stellen kürzen lassen.

Nachdem Philips Hue bei mir bereits anderweitig im Einsatz war, kam mir die Idee, meinen Fernseher mit dem Ambilight nachzurüsten. Dazu recherchierte ich zuerst, ob es eine einfache Möglichkeit gibt. Dabei bin ich auf zwei Varianten gestoßen: entweder über einen Raspberry Pi, der in die HDMI-Verbindung zwischen Receiver und Fernseher angeschlossen wird um das Bild auszuwerten. Oder über ein iPad, das mit Hilfe seiner Kamera das Bild auswertet. Da ich kein ITler bin und den Raspberry Pi nur vom Hörensagen kenne, kam für mich nur die iPad-Lösung in Frage.

Was wird benötigt

Nun, zu allererst natürlich ein HomeKit-fähiges iPad, bei war ein iPad Air 2 bereits vorhanden. Zudem natürlich auch von Philips eine Hue Bridge (ca. 60 €), welche die Verbindung zwischen den Leuchtmitteln und dem Netzwerk herstellt. Und natürlich die Lightstrip (ca. 80 €), die ja unser Leuchtmittel für den Hintergrund darstellt. Wer noch keine Bridge besitzt kann sich auch ein Starterset (ca. 135€) kaufen.

Natürlich auch noch eine notwendige App für das iPad, ich selbst verwende und empfehle Hue TV (2,99 €). Außerdem, neben dem ganzen technischen Spielzeug, braucht man noch etwas ganz entscheidendes: einen Aufstellort für das iPad, von dem aus die Kamera das gesamte Fernsehbild im Blickfeld hat – möglichst ungestört. Bei mir ist das etwa 1,5 Meter vom Fernseher weg auf dem Boden. Ob Ihr eine Halterung habt oder basteln wollt, mit der das iPad auf dem Tisch steht oder sogar an der Wand gegenüber hängt, bleibt Euch überlassen. Jedoch stellte sich für mich der Aufstellort als das Schwierigste an der ganzen Lösung dar.

Und natürlich darf man auch die Steckdosensituation nicht außen vor lassen. Sowohl die Bridge, als auch die Lightstrip benötigen jeweils eine Steckdose. Zudem muss die Bridge mit einem LAN-Kabel (mitgeliefert) über einen Switch oder Router an das Heimnetzwerk angeschlossen werden. Entsprechend sollte beim Router und beim Fernseher noch jeweils eine Steckdose vorhanden sein.

Der Aufbau

Als Erstes wird die Lightstrip auf den Hintergrund oder Rahmen des Fernsehers geklebt. Die Lightstrip ist bereits auf der Unterseite mit Klebestreifen versehen, man braucht also da auch nicht zusätzlich daran zu denken. Ich habe bei meinem Fernseher mich dazu entschieden, die Lightstrip links, oben und rechts direkt hinter den Rahmen zu kleben, die 2 Meter waren für mich dabei sogar die ideale Länge. Auf eine Beklebung auf der Unterseite habe ich verzichtet, die Seiten und die Oberseite liefern genügend Licht.

Lightstrip auf der Oberseite des Fernsehrahmens

Die Lightstrip ist hinter dem Rahmen auf den Fernseher aufgeklebt.

Anschließend wird die Bridge mit dem Router, danach mit dem Strom verbunden. Wenn sie fertig gestartet ist, verbindet man die Lightstrip mit dem Strom und startet auf dem iPad die Home App (von Apple vorinstalliert). Die Bridge nun als Gerät hinzufügen und den Knopf auf der Bridge drücken, damit sich die Beiden verbinden. Gleichzeitig bindet die Bridge auch die Lightstrip mit ein.

Die Lightstrip lässt sich nun über die Home App steuern, es empfiehlt sich auf jeden Fall hier eine Szene anzulegen, mit der man die Lightstrip ausschalten kann. Da ich persönlich nicht ständig die Ambilight-Funktion mit den wechselnden Farben haben möchte, habe ich mir dort auch verschiedene Szenen angelegt, um den Hintergrund in verschiedenen Farben und Helligkeiten steuern zu können – das bleibt an dieser Stelle jedem selbst überlassen.

Nun kommt das iPad an die Reihe. Nach der Installation der Hue TV App stellt ihr es an Eurem ausgewählten Standort auf. Wichtig ist, dass die Kamera (Front oder Back) das gesamte Fernsehbild erfasst. Sie kann auch ruhig mehr von dem Wohnzimmer erfassen, es ist nur wichtig, dass das Fernsehbild komplett zu sehen ist. Wenn Ihr jetzt die App startet, seht ihr das von der Kamera erfasste Bild und könnt mit Hilfe eines einstellbaren Rahmens genau definieren, was das auszuwertende Fernsehbild ist. In den Einstellungen müsst Ihr noch die Lightstrip auswählen – und schon beginnt sie im Takt des Fernsehbilds die Farbe und Helligkeit zu verändern. Fertig.

Ein iPad mit der Hue TV App

Das iPad wird mit Sichtverbindung zum Fernseher platziert und übernimmt die Steuerung der Beleuchtung.

Fazit

Die Nachrüstung ist auf diese Weise sehr einfach zu erreichen, hat aber auch seinen Beigeschmack. Zum einen, dass das iPad natürlich die ganze Zeit eingeschalten ist und es einem nicht mehr für andere Dinge zur Verfügung steht. Zudem sollte natürlich zwischen iPad und Fernseher die Sichtverbindung möglichst nicht unterbrochen werden. Mal kurz vorbeigehen macht natürlich nichts aus, aber Haustiere können sich ja durchaus auch davor hinlegen. Ob Ihr sie dann jedesmal wegscheuchen wollt – es ist Eure Entscheidung.

Der Fernseher beleuchtet den Hintergrund.

Der Fernseher ist jetzt mit Ambilight ausgestattet.

Außerdem kann ich diese Lösung nur empfehlen, wenn bereits ein iPad vorhanden ist. Auch mit einem iPhone ist diese Lösung möglich, zudem gibt es entsprechende Apps auch auf anderen Plattformen als iOS, sodass auch andere Smartphones oder Tablets verwendet werden können. Wenn allerdings erst ein entsprechendes Gerät beschafft werden muss, wird es eine teure Lösung.

Zu ausgewählten Filmabenden wird Hue TV bei mir sicher zur Anwendung kommen, bei normalem TV-Konsum reicht mir eine statische Beleuchtung des Hintergrunds. Und wenn der FC Bayern spielt, sorgt ein roter Hintergrund doch auch genau für die richtige Fußballstimmung – auch bei Tag.

Preisangaben vom Oktober 2016

Apple Watch beim Fitnesstraining – perfekter Begleiter

Fitness Point: Trainingspläne auf dem iPhone

Fitness Point: Trainingspläne auf dem iPhone

Ich habe seit einigen Monaten eine Apple Watch, die eigentlich bisher für mich nichts anderes war als eine teure Armbanduhr mit der netten Spielerei, bei Pushbenachrichtigungen nicht das iPhone aus der Hosentaschen ziehen zu müssen. Gut, auch für Eintrittskarten ins Kino musste ich das iPhone nicht herausholen, wird doch Wallet auch auf die Uhr gespiegelt. Aber insgesamt war es eigentlich nur eine teure Armbanduhr.

Vor ein paar Wochen habe ich wieder begonnen, ins Fitnessstudio zu gehen. Und hier habe ich einen sehr guten Mehrwert der Apple Watch kennen gelernt. In Verbindung mit der App Fitness Point habe ich nicht nur meinen Trainingsplan auf die Uhr bekommen, ich kann auch gleich auf der Uhr mein Training tracken und sehe die Gewichte der letzten Trainingseinheit.

Fitness Point: Trainingspläne auf der Apple Watch

Fitness Point: Trainingspläne auf der Apple Watch

Aber weshalb ist das ein Mehrwert der Uhr? Den Trainingsplan bekommt man vom Studio auf Papier, zudem könnte man das auch im iPhone tracken. Nun, wer jemals einen Trainingsplan über mehrere Wochen, dreimal die Woche durchs Studio mitgeschleift hat, weiß, dass er nach einigen Einheiten nur noch schlecht lesbar ist, zumal auch die Gewichte nicht mehr stimmen. Einen Stift hat man während des Trainings ja nicht dabei und eine Korrektur danach gerät meist in Vergessenheit. Hier ist es gut, dass man in Fitness Point seinen Trainingsplan in der Apple Watch bzw. im iPhone sofort korrigieren kann.

Fitness Point: Training mitprotokollieren auf der Apple Watch

Das iPhone nicht mitnehmen zu müssen, empfinde ich als sehr angenehm, aus mehreren Gründen. Zum einen, ist es ein Teil weniger, dass man während dem Training mit sich rumschleppt und das unter Umständen während den Übungen aus der Tasche fallen kann (meine Insulinpumpe reicht mir da völlig), zum anderen kann man sich voll und ganz auf das Training konzentrieren, wenn das iPhone im Spind liegt und keine Verbindung zur Apple Watch hat – keine Pushbenachrichtigungen, keine Erreichbarkeit. Einfach mal 2 Stunden offline, sowohl in der virtuellen, wie auch in der realen Welt. Die Apple Watch funktioniert trotzdem, meine Trackings aus dem Training werden einfach bei der nächsten Verbindung mit dem iPhone synchronisiert – also nach dem Training. Was bleibt, ist ein schönes, lückenloses Trainingsprotokoll, das auch die Steigerung der Gewichte dokumentiert. Zur Zielerreichung unerlässlich.

Fitness Point: geöffneter Trainingsplan auf der Apple Watch

Fitness Point: geöffneter Trainingsplan auf dem iPhone

Fitness Point: geöffneter Trainingsplan auf dem iPhone

Fitness Point: Logansicht auf dem iPhone

Fitness Point: Logansicht auf dem iPhone

 

S-Bahn München und die Fehler, die nicht korrigiert werden

Der Abfahrtsmonitor am Marienplatz im Dezember 2011.

Der Abfahrtsmonitor am Marienplatz im Dezember 2011.

Seit mindestens Dezember 2011, aber vermutlich noch zwei Jahre länger, gibt es einen Fehler in der Programmierung der Zugzielanzeiger bei der S-Bahn München. Es betrifft nur einen Zug: die S6 nach Tutzing mit der Zugnummer S8626, ab 0.03 Uhr vom Münchner Ostbahnhof. Bei diesem Zug wird seit dieser Zeit eine Zugschwächung angezeigt – mit hinterem Zugteil nach Steinhausen.

Steinhausen, ein Stadtteil von München, hat keinen gleichnamigen Personenbahnhof, zudem liegt der Stadtteil östlich des Ostbahnhofs, an dem die S6 beginnt – jedoch Richtung Westen fährt. In Steinhausen liegt das Werk der S-Bahn München und auch nach dem Stadtteil benannt. Ein betrieblicher Bahnhof also, an dem kein Fahrgast etwas zu suchen hat.

Irgendjemand ist nun bei der Programmierung der Daten ein Fehler unterlaufen. Nicht weiter schlimm, so etwas passiert, stecken doch auch immer nur Menschen dahinter. Was aber nicht passieren sollte, nein was nicht passieren darf, ist das komplette ignorieren des Fehlers und ihn nicht zu korrigieren. Wenn es dem zuständigen Team der Deutschen Bahn vielleicht auch nicht aufgefallen ist, darauf hingewiesen wurden sie. Von mir z.B., bereits mehrfach, eigentlich mehrmals pro Jahr.

Der Abfahrtsmonitor in Pasing im November 2015.

Der Abfahrtsmonitor in Pasing im November 2015.

Sei es über den Twitter-Support @DB_Bahn oder den Service-Dialog. Über beide Wege hab ich bereits mehrmals probiert, den Fehler korrigieren zu lassen. Und jedes Mal bedankt man sich und verspricht die Korrektur – seit bald fünf Jahren. Und ich bin nicht der Einzige. Auf Twitter findet man immer wieder Tweets verschiedener Leute, die die Bahn darauf hinweisen. Und mir sind Lokführer bekannt, die das auch intern weiter geben.

Geholfen hat es nichts. Denn auch heute noch fährt der hintere Zugteil nur bis Steinhausen, wie der Tweet von @iJojo423 beweist:

McDonalds – Filiale der Zukunft

Optisch aufgehübscht und die EasyOrder-Terminals aus dem hinteren Bereich entfernt.

Optisch aufgehübscht und die EasyOrder-Terminals aus dem hinteren Bereich entfernt.

Zum letzten Wochenende hin wurde in München die McDonalds-Filiale in der Zweibrückenstraße zum McDonalds der Zukunft umgebaut.

Nun, was heißt umgebaut. Er wurde grundgereinigt und optisch ein wenig aufgehübscht, der EasyOrder-Bereich von der Ausgabe hinten nach vorne zum Eingang verlegt. Der größere Umbau war wohl eher das Anbringen von Steckdosen, an denen die Kunden nun ihre Laptops und Smartphones aufladen können.

Die größte Änderung ist im Service: es gibt jetzt einen, sprich: man wird auch am Platz bedient. Dazu ist ein Mitarbeiter mit einem kleinen Tablet und einem Kartenzahlungsterminal ausgestattet. Er nimmt dann wie im Restaurant die Bestellung auf und tippt sie ins Tablet. Anschließend wird – und das ist der Unterschied zum Restaurant, aber typisch Fast Food – die Bestellung sofort bezahlt. Der Zahlungsbeleg enthält dann auch die Ordernummer, die man von den EasyOrder-Terminals kennt, allerdings in der 300er-Nummerngruppe. Wenn die Bestellung fertig ist, bringt der Mitarbeiter sie einem an den Tisch.

Steckdosen an der Wand. Sollte eigentlich Gegenwart und nicht Zukunft sein.

Steckdosen an der Wand. Sollte eigentlich Gegenwart und nicht Zukunft sein.

Das war es dann eigentlich auch schon. Man hat dann das typische McDonalds-Tablett vor sich, die Burger in der typischen Verpackung. Schade, hier hätte man meiner Meinung nach durchaus mit Geschirr punkten können – vor allem in Sachen Umweltfreundlichkeit.

Ich weiß noch nicht so ganz, was ich von der Sache halten soll. Der große Wurf ist es jedenfalls nicht und es ist ein komisches Gefühl, sich im Megges bedienen zu lassen. Den einzigen Vorteil, den ich in der Filiale der Zukunft sehe, ist die Bereitstellung von Steckdosen – mehr aber auch nicht. Nach all den Berichten in den Medien der letzten Wochen, hatte ich deutlich mehr erwartet. Mehr Kunden kann man sich dadurch sicher nicht erwarten, ich rechne fest damit, dass der Abwärtstrend weiter geht.

Media Monday #267

media-monday-2671. Brent Spiner werde ich wohl immer mit Data verbinden, denn ich liebe seine perfekte Darstellung des Androiden .

2. Sommer- und/oder Urlaubslektüre ____ . Dazu bräuchte ich erstmal Sommer und Urlaub.

3. Bei schönem Wetter fällt es mir ja wahnsinnig schwer mich für die Arbeit zu motivieren .

4. Independece Day 2 hätte ich mir echt ganz anders vorgestellt, schließlich sind Fortsetzungen, insbesondere nach so langer Zeit, oft nur ein Abklatsch von sich selbst und quälend langweilig .

5. Momentan bin ich ja von ____ ziemlich angefixt, denn ____ . Eigentlich bin gerade auf gar nicht angefixt.

6. Science Fiction ist ja so ein Genre, von dem ich nie genug kriegen kann, immerhin haben sich viele, ursprünglich unmögliche Techniken im Laufe der Jahrzehnte verwirklicht .

7. Zuletzt habe ich in meinem aktuellen Buch weitergelesen und das war schwierig , weil ich zuviel Pause gemacht habe und schwer wieder reingekommen bin .

Der Media Monday wird wöchentlich vom Medienjournal Blog ausgerichtet. Heute war es Ausgabe 267.

Media Monday #266

1. Ein Remake erfindet zwar sicherlich das Rad nicht neu, aber es kann auch etwas vernünftiges dabei rauskommen, wenn man es als etwas eigenes statt als Nachahmung betrachtet .

2. Wer mal einen echten Geheim-Tipp braucht: kann sich bei mir ja mal rühren. Andernfalls wäre es ja kein Geheim-Tipp mehr .

3. Der wöchentlichen Sneak-Preview fiebere ich ja schon regelrecht entgegen, denn da hab ich schon einige Perlen gesehen, die ich sonst im Kinoprogramm gar nicht beachtet hätte .

4. Von all den News-Meldungen, Teasers und Trailern, Gerüchten und Mutmaßungen versuche ich Abstand zu halten, da ich sonst zu voreingenommen in den Film gehe .

5. Die Serie Star Trek: Discovery kann ich kaum erwarten und freue mich, dass sie von Netflix nach Deutschland gebracht wird .

6. Ich sollte wirklich mal öfter ein Buch zur Hand nehmen, schließlich lese ich eigentlich sehr gerne .

7. Zuletzt habe ich Maggies Plan gesehen und das war ernüchternd , weil die Grundstory gut ist, aber die Amerikaner diese Art von Filmen einfach nicht drauf haben .

Der Media Monday wird wöchentlich vom Medienjournal Blog ausgerichtet. Heute war es Ausgabe 266.

Depression – Ein langer Weg ohne Hilfe

Es ist jetzt genau ein Jahr her, als ich im Büro meines damaligen Chefs erfahren habe: „Du bist ab sofort bis zum Arbeitsplatzwechsel von der Arbeit freigestellt.“ Obwohl ich den Wechsel angestoßen habe und schon lange darauf wartete, war es für mich ein Schock – es war so plötzlich und unerwartet. Aber vielleicht beginne ich erst einmal am Anfang.

Ich weiß nicht genau, wann meine Erkrankung an einer Depression begonnen hat, vermutlich trage ich sie schon seit etlichen Jahren mit mir herum. Auch über die genauen Ursachen kann ich bisher nur spekulieren. Nur eines weiß ich: es gibt nicht die Ursache, vielmehr ist ein ganzes Puzzle an Ursachen. Überlastung, Langeweile, Rückschläge, mangelnde Sozialkontakte, fehlendes Selbstbewusstsein, gesellschaftlicher Druck – all das und sicher noch mehr, sind Teile des Ursachenpuzzles, die bei mir vorhanden waren. Wobei mangelnde Sozialkontakte und fehlendes Selbstbewusstsein eher als Sekundärursachen einzustufen sind, die durch die beginnende Depression erst entstanden sind.

Erholsamen, durchgehenden Schlaf ohne mehrfach in der Nacht aufzuwachen kannte ich schon über Jahre nicht mehr. Morgens aufzustehen und sich gerädert, aber nicht erholt zu führen, war für mich normal. Auch schon lange begleitet hat mich der Rückzug aus der Gesellschaft, von Freunden. Einladungen habe ich oft erst angenommen und kurzfristig wieder abgesagt. Es ist paradox, aber ich hab mich erst wahnsinnig darauf gefreut mich mit meinen Freunden zu treffen, aber das auch wirklich zu tun, hat innerliche Panik ausgelöst, weshalb ich den Abend lieber zuhause verbrachte und mich im Nachhinein darüber ärgerte. Die Fragen „Weshalb hast Du abgesagt? Es sind Deine Freunde, was soll da schon sein?“ haben mich dann tagelang beschäftigt, ohne dass ich jemals eine wirkliche Antwort gefunden habe.

Ausflüge, die ich unternehmen wollte, habe ich trotz detaillierter Planung im letzten Moment dann doch nicht unternommen. Wanderungen, Fotowalks, Ausstellungen ansehen oder einfach nur die Sonne auf die Nase scheinen lassen – alles habe ich am betreffenden Morgen für mich gecancelled. Ich hatte einfach keine Lust. Keine Lust auf gar nichts. Rapide schlimmer wurde es ab Februar 2015. Die Lustlosigkeit hat so überhand genommen, dass ich nicht einmal mehr das Bett verlassen habe. Ein Wochenende von Freitag Nachmittag bis Montag Morgen im Bett zu verbringen, nichts zu tun, rein gar nichts, außer an die Decke zu starren – für Gesunde, die eine Depression nicht kennen, unvorstellbar. Aber für mich wurde es zur Normalität. Das Einzige, was mich tatsächlich noch erfüllt hat im Leben, war, meiner Arbeit nachzugehen.

Aber auch das wurde von Februar an deutlich schwieriger. Die Krankheit schlug sich auf den Magen, das Immunsystem am Ende. Mein Körper stürzte sich auf jedes einzelne Bakterium, auf jedes einzelne Virus, das nur in der Nähe durch die Luft flog. Mit der Folge, dass ich auch meiner Arbeit oft nicht mehr nachgehen konnte und sich meine Krankheitstage deutlich erhöhten. Kaum eine Woche, in der ich nicht mindestens einen Tag fehlte. Der Druck, den ich hierdurch logischerweise bekam, hat die Depression weiter befeuert. In der Küche stapelte sich das schmutzige Geschirr, aber es abzuwaschen, dazu fehlte mir der Antrieb. Also wurden die Lieferdienste rundum beauftragt, nur ja nicht abwaschen.

Irgendwann machte es bei mir Klick und ich erkannte, dass ich in einer absolut nicht normalen Situation bin. Also begann ich zu googeln, nach der absoluten Lust- und Antriebslosigkeit. Nach der Schlaflosigkeit, dem schwachen Immunsystem. Und ich kam immer auf das gleiche Ergebnis: Depression. Aber, Depression, ich? Wovon denn, mir geht es doch gut? Psychisch, okay, ich hatte eine schwere Zeit durchgemacht, aber gleich so dramatisch erkranken? Nein, es musste etwas anderes sein.

Die Depression ist eine psychische Störung. Ihre Zeichen sind negative Stimmungen und Gedanken sowie Verlust von Freude, Lustempfinden, Interesse, Antrieb, Selbstwertgefühl, Leistungsfähigkeit und Einfühlungsvermögen. Diese Symptome treten auch bei gesunden Menschen zeitweise auf. Bei Depressionen sind sie jedoch länger vorhanden, schwerwiegender ausgeprägt und senken deutlich die Lebensqualität.

Quelle: Wikipedia

Dennoch habe ich begonnen, mich um einen Psychotherapeuten zu kümmern. Aber wo ich auch angerufen hatte, überall war es das selbe Spiel: „Wir sind das nächste halbe Jahr ausgebucht und haben keine Termine frei.“ Manche Praxen setzten mich auf eine Warteliste und wollten sich bei freiwerdenden Terminen melden. Ich habe bis heute keinen Rückruf erhalten. Inzwischen war die Depression bereits soweit fortgeschritten, dass ich tatsächlich an Suizid dachte. Eines Tages wurde der Druck in der Arbeit für mich sogar so hoch, dass ich eine klare Vorstellung über die Durchführung hatte. Es ist meiner Teamleiterin von damals zu verdanken, die das offensichtlich gespürt hatte, dass es nicht zum Suizidversuch gekommen ist. Heute bin ich ihr unendlich dankbar dafür.

Im April habe ich dann einen Termin bei der Sozialberatungsstelle meines Arbeitgebers angenommen. Dort wurde mir dann vorsichtig bestätigt, dass es sich wohl um eine Depression handeln könnte. Zugleich wurden mir Telefonnummern von psychologischen Ambulanzen mitgegeben. Damit begann eine Odyssee, bei der ich mich bis heute wundere, wie ich das überhaupt bewältigen konnte.

Den Anfang machte ich beim Klinikum Innenstadt der LMU. Nach 10 Minuten in der Warteschleife, legte ich auf. Es dauerte Tage, bis ich mich aufraffen konnte, den nächsten Anruf zu probieren. Wieder dort angerufen, wurde ich gebeten, in einer Viertelstunde wieder anzurufen, weil man gerade nicht am Platz mit dem Terminbuch ist. Nach der Viertelstunde hatte ich wieder mit der Warteschleife das Vergnügen. Hätte ich nicht aufgelegt, würde ich vermutlich noch heute die Wartemelodie hören.

Wieder mehrere Tage später war ich bereit, es bei der nächsten Stelle zu probieren – das Isar-Amper-Klinikum Ost in Haar. Am Telefon erklärte man mir, dass es verschiedene Ambulanzen gibt und sich die Zuständigkeit nach dem Wohnort richtet. Anhand meiner Postleitzahl gab man mir die Telefonnummer des Atrium-Hauses in München. Dort habe ich dann die unverschämteste und unpassendste Antwort am Telefon bekommen: „Wie kommen Sie drauf, Sie könnten hier einfach anrufen und nach einem Termin fragen? So geht das nicht. Rufen Sie am Krisentelefon an, wenn Sie wirklich Hilfe brauchen, vermitteln die Sie schon zu uns.“ Ich möchte an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, dass ich diese Antwort als Hilfesuchender mit Suizidgefährdung bekommen habe. Hätten nicht mich meine Freunde und Kollegen, denen ich mich bereits Wochen vorher geöffnet habe, wieder soweit aufgefangen gehabt, dass ich einigermaßen stabil war….ich möchte das nicht weiter ausführen.

Das Krisentelefon sagte mir nichts Neues: Verdacht auf mittelschwere Depression. Man legte mir nahe, die Münchner Insel zu besuchen, eine Krisen- und Lebensberatung, bei denen man auch ohne Termin hin kann. Um evtl. Wartezeiten zu umgehen, habe ich dort dennoch einen Termin ausgemacht und – wie soll es anders sein – auch nicht wirklich etwas Neues erfahren. Der Verdacht auf Depression steht ja nun schon seit Wochen im Raum. Nachdem ich dort aber auch meinen bisherigen Weg beschrieben hatte, gab man mir dort einen Prospekt einer anderen Ambulanz mit. Die psychotherapeutische Ambulanz der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie. Also machte ich dort einen Termin aus.

Auch dort wurde das Kind „Depression“ nur mit einem Verdacht geäußert. So wirklich festlegen wollte sich bisher niemand. Die Ambulanz der Akademie ermittelte den Bedarf einer Verhaltenstherapie und gab mir drei Telefonnummern von Therapeuten mit, die freie Kapazitäten gemeldet hatten. Von diesen freien Kapazitäten habe ich jedoch nichts gemerkt. Bei allen drei Therapeuten, deren Nummern ich bekommen habe, waren diese zwischenzeitlich vergeben. Das Angebot der Akademie, wenn es nicht klappt noch einmal anzurufen und sich weitere Nummern geben zu lassen, habe ich nicht angenommen, dazu fehlte mir die Kraft. Also alles wieder auf Anfang.

Zwischenzeitlich ist es Ende Mai und ich habe meinen nächsten Termin bei der Sozialberatung. Dort ist man fassungslos über meinen bisher komplett erfolglosen Weg. Aber der Hinweis des Klinikums in Haar, dass sich die Zuständigkeit über den Wohnort definiert, sorgt für eine Idee. Mein Berater suchte kurz im Internet und fand eine Außenstelle mit Ambulanz in Fürstenfeldbruck, meiner Nachbarstadt. Noch vor Ort haben wir dort angerufen und ich habe tatsächlich einen Termin bekommen. Zwar erst vier Wochen später, aber zumindest ein erster Lichtblick – ein Termin bei Spezialisten. An dieser Stelle möchte ich aber nicht unerwähnt lassen, dass mein Anruf in Haar viele Wochen vorher, mir über meine Postleitzahl das Atrium-Haus als zuständig mitgeteilt hat, das aber eine Fehlinformation war. Man hätte mir dort gleich Fürstenfeldbruck mitteilen müssen und hätte wohl meinen Weg um etliche Wochen erleichtert. Aber das nur am Rande.

Ende Juni in Fürstenfeldbruck dann aus dem „Verdacht“ endlich eine Diagnose: mittelschwere Depression. Sofort wurden mir Tabletten verschrieben* und ich wurde für die psychiatrische Tagesklinik angemeldet. Nach mittlerweile rund fünf Monaten ein erster Erfolg, auch wenn ich erst einmal wieder auf einer Warteliste stand. Doch vier Wochen später kam der ersehnte Anruf: es ist ein Therapieplatz in der Tagesklinik frei, ich werde am Dienstag früh erwartet. Der Anruf kam genau vor einem Jahr, am Nachmittag. Da hatte ich bereits daran zu kauen, dass ich von der Arbeit nach Hause geschickt wurde. Aber es war gut so. Denn zwischenzeitlich, etliche Wochen vorher, habe ich meinen Versetzungswunsch geäußert, wegen der Depression. Um eine Tätigkeit auszüben, die eine geringere psychische Resilienz erfordert. Ich hatte nur nicht mehr daran geglaubt.

Ein gutes halbes Jahr habe ich gekämpft, bis ich endlich Hilfe bekam. Ein langer Weg, der viel Kraft gekostet hat. Kraft, die andere in ähnlichen Situationen nicht mehr haben und trotz Hilferufe den Weg des Suizids gehen. Hier kann man mit Recht behaupten: die Gesundheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland hat Menschenleben auf dem Gewissen.

Mir geht es heute wieder deutlich besser. Ich kann wieder durchschlafen, habe neue Freundschaften aufgebaut, fühle mich nicht mehr von einfachsten Dingen überfordert. Geheilt bin ich nicht, die Depression wird mich noch lange begleiten. Und der Kampf dagegen dauert ein Leben lang.

*Tabletten haben natürlich Nebenwirkungen. Die Nebenwirkungen, die man aus dem Beipackzettel liest, erschrecken einen auf den ersten Blick und machen einem Angst. Dennoch sollte man sich auf die Tabletten einlassen, sie helfen einem wirklich und sollte sich auch die Zeit nehmen, damit sie wirklich wirken können. Über die Wirkung der Tabletten möchte ein Freund von mir in den nächsten Wochen noch einen Beitrag verfassen. Ich werde Euch darüber informieren.

Viel Shitstorm um nichts…

Die Attacke in einem Regionalzug bei Würzburg macht betroffen. Hat der Terror nun tatsächlich Deutschland erreicht? Ausschließen kann man es nicht und zu rechnen ist damit schon seit längerem. Auch, wenn die Polizei hervorragende Arbeit geleistet hat, bleibt eine Frage: hätte es die Chance gegeben, den Täter auszuschalten, ohne ihn zu töten? Diese Frage stellt man sich innerhalb der Polizei immer, wenn es zu einer tödlichen Schussverletzung kommt und wird im Hergang rekonstruiert.

Jetzt hat sich aber doch tatsächlich eine Politikerin erlaubt, diese Frage öffentlich zu stellen:

Sicher, es war ein wenig ungeschickt, die Frage kurz nach dem Bekanntwerden des Vorfalls zu stellen und nicht den notwendigen, zeitlichen Abstand und erste Ermittlungsergebnisse abzuwarten. Auch die Formulierung mit den rudelbildenden Fragezeichen war ebenso unglücklich wie der gewählte Kommunikationsweg über einen Kurznachrichtendienst. Die Frage ordentlich zu stellen braucht mehr als 140 Zeichen.

Die folgenden Reaktionen von Netz und Politik sind unterirdisch. Diesen wenigen Worten im Tweet wollen Leute herausgelesen haben, dass die Polizei ihre Arbeit falsch gemacht hätte, dass der Täter zum Opfer stilisiert werden soll. Neben Beleidigungen finden sich im Netz auch Aussagen, man würde eine Delphintherapie fordern. Das eigentlich Erschreckende an den Reaktion ist die Tatsache, dass sich die Menschen nicht einmal eine halbe Sekunde Gedanken gemacht haben. Nicht über die Frage, nicht über ihre eigene Interpretation der Worte und auch nicht über das, was sie schreiben. So wie Frau Künast, die in der Sache Recht hat, aber wie ich bereits ausführte, sich für den falschen Zeitpunkt und das falsche Kommunikationsmittel entschieden hat. Auch hier hätte man besser vorher nachdenken sollen, zumal die Netzgemeinde für Shitstorms bekannt ist.

Jetzt, noch nicht einmal 24 Stunden nach der Tat, sind die Ermittlungen schon soweit, dass die Frage bereits beantwortet werden kann: man hatte keine Chance, außer dem tödlichen Schuss. Dennoch war die Frage richtig und wird immer wieder gestellt werden, bei jeder tödlichen Schussverletzung durch die Polizei. Und das ist gut so. Aber bitte, wer auch immer die Frage dann wieder öffentlich in den Raum stellt, etwas mehr Fingerspitzengefühl bei Formulierung, Zeitpunkt und Kommunikationsweg ist angebracht.

Zum Schluss möchte ich an dieser Stelle eine hoffentlich schnelle und vollständige Genesung der Opfer wünschen, körperlich und seelisch. Und einen großen Dank an alle Polizisten in Deutschland.