Ich weiß nicht genau, welcher Teufel mich geritten hat, aber ich habe dieses Jahr beim Firmenlauf mitgemacht. Da ging bei mir in der Arbeit irgendwie ne Riesenwelle durch, die mich einfach mitgeschwappt hat. Als ein Mensch, der bis vor zwei Jahren noch Angstzustände bei dem Wort Sport bekommen hat, hab ich mich also an eine 6,75 km lange Laufstrecke gewagt.
Bis ich durch den Start durch war, hab ich mir schon noch die ganze Zeit Gedanken gemacht, wie ich aus der Nummer eigentlich wieder raus komme. Aber einmal durch, gabs für mich dann wirklich nur das Ziel, das ich mir von Anfang an vorgenommen hatte: Ankommen bzw. auf Neudeutsch “Finishen”.
Bei der Startaufstellung selber kam ich mir etwas wie im Zoo vor mit den ganzen Zuschauern, die am Rand standen. Aber ist man erstmal im Laufen, verschwendet man keine Gedanken mehr daran. Der Start selber verlief etwas chaotisch, in der Erwartungshaltung haben sich irgendwie alle mal links, mal rechts vorgedrängelt, so dass die Startblöcke 3-5 plötzlich durcheinandergemischt waren. Dementsprechend sind mir nach dem Starten auch erstmal die Walker im Weg gewesen, die man dann erstmal überholen muss.
Überholen…Klingt recht einfach, aber man will ja andere Läufer auch nicht unbedingt behindern und fair miteinander umgehen. Also kurz warten, bis es mal eine Lücke gibt, durch die man dann durchschlüpfen kann zum Überholen. Zumindest war ich so fair. Aufgeregt haben mich aber diejenigen, denen der Wettkampf so wichtig ist, dass sie einen ohne Rücksicht auf Verluste auf die Seite stoßen, damit sie vorbei können. Nicht gerade das Verhalten, das ich mir für diesen Lauf vorgestellt habe – denn dabei sein ist alles.
Offensichtlich schlecht organisiert war wohl die Beschilderung, dass hier ein Lauf stattfindet. Entlang der Strecke waren viele genervte Besucher des Olympiaparks, die eigentlich hier durch wollten und nicht konnten. Manche sind dann einfach mit ihren Fahrrädern oder Kinderwagen (wie muss sich hier das Kind gefühlt haben??) in den Laufweg rein und haben ihn überquert – das hohe Verletzungsrisiko für sich und den Läufern dabei in Kauf genommen.
Ebenso die Zuschauer, die ihre Arbeitskollegen und/oder Bekannten/Freunde fotografieren wollten. War derjenige in Sichtweite, dann tritt man mal einen Schritt vor, um ein gutes Foto zu schiessen. Ganz egal, ob man hier jetzt gleich mit jemand zusammen stößt oder nicht.
Nach 46 Minuten und 18,2 Sekunden war ich dann im Ziel und habe mein persönliches Ziel damit auch erreicht. Mit richtiger Freude darüber, dass nun alles vorbei ist, hab ich dann auch meine Finisher-Medaille in Empfang genommen und bin dann erstmal trinken gegangen – nach viel Wasser verlangte mein Körper. Irgendwie findet man unter den vielen tausend Leuten sogar seine Kollegen wieder, mit denen man sich dann noch bis zur Siegerehrung unterhalten hat. Ob ich im nächsten Jahr auch wieder mitmache, weiss ich noch nicht. Aber vermutlich werden mich da meine Kollegen schon wieder mit hinziehen.
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