30. Dezember 2008

Immer wieder (k)ein Genuss – eine Fahrt im ICE

Kategorie: Bus und Bahn, Gesellschaft — smirne @ 13:09
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Wie lange es wohl dauern wird, bis es sich in Deutschland herumgesprochen hat, dass man bei Fahrten mit dem ICE zwei Dinge beachten sollte: Erstens hat das Premiumprodukt der Deutschen Bahn nur sehr geringen Platz für Gepäck, für großes Reisegepäck schon mal gar nicht. Zweitens ist es sinnvoll und schon fast notwendig, sich einen Platz zu reservieren.

Okay, zweites ist halt Risiko. Aber es ist schon sehr nervend für die Mitreisenden, wenn nach jedem Bahnhof sich Massen von Leuten durch die engen Gänge schieben. Dabei sind das aber nicht nur Leute, die keine Reservierung haben, da sind auch Leute dabei – und leider auch in der Mehrheit – die sich nicht am Bahnhof darüber informiert haben, wo denn ihr reservierter Wagen hält. Wozu gibt es eigentlich die Wagenstandanzeiger am Bahnsteig?

Und so schieben sich die Leute auf der Suche nach dem richtigen Wagen und dem richtigen Sitzplatz bis 15 Minuten nach Abfahrt durch den Gang. „Entschuldigung, das ist mein Platz.“ – „Nein, ich habe hier eine Reservierung.“ – „Ich auch, ich habe diesen Platz reserviert.“ – „Zeigen Sie mal her. Nein, das ist der falsche Wagen, sie haben ihren Platz in Wagen 24, das hier ist Wagen 23.“ Was ist eigentlich so schwer daran, die Wagennummern auf den Anzeigen zu lesen?

Mit Rucksäcken und Trolleys bewaffnet, Reisetaschen hinter sich herziehend. Oh, da kommt jemand entgegen, Katastrophe, wo soll ich nur hin mit meinen Taschen hin in dem engen Gang? Ach, kein Problem, dem, der hier gerade sitzt drücke ich einfach meinen Rucksack ins Gesicht, über den Trolley soll der Andere doch drüber steigen. Gut, das wäre geschafft.

Gejammert wird, was das Zeug hält. Von den Leuten ohne Reservierung, denn die Bahn ist schuld, dass sie jetzt stehen müssen, die Bahn könnte, nein, müsste doch mehr und vor allem längere Züge einsetzen. Schließlich will ich heute fahren und nicht stehen. Da könnte die Bahn doch auch mal Rücksicht drauf nehmen.

Musik spielt. Irgendjemand wird gerade am Handy angerufen. Es steht auf voller Lautstärke. Und damit es auch alle Mitreisenden im Waggon mitbekommen, dass ich jetzt einen Anruf bekomme, lasse ich es erstmal eine halbe Minute lang läuten, bevor ich überhaupt mal das Suchen beginne wo sich mein Handy in der Tasche überhaupt befindet.

Hilfe, ich bin ein Fahrgast, ich will hier raus! Um in Frankfurt aus zu steigen, steht man in Hanau bereits auf und reiht sich an der Tür ein. Warum eigentlich? Der Zug fährt doch noch eine Viertel Stunde. Nicht nur ich wundere mich, auch diejenigen, die mal eben im Speisewagen oder auf der Toilette waren, die sind sogar genervt, weil sie ja nicht mehr zu ihrem Platz durchkommen. „Warum stehen Sie überhaupt schon da? Das macht doch gar keinen Sinn, deswegen kommt der Zug auch nicht früher an.“ Wo er Recht hat, hat er Recht.

Doch, ich genieße die Fahrt im ICE. Schneller geht es nicht, und trotz aller Widrigkeiten ist es auch bequem und komfortabel. Würde ich mit dem Auto fahren, käme ich erst nach 6 statt 4 ½ Stunden an, könnte ich nicht diesen Blogeintrag schreiben, hätte ich nichts zu erzählen. Und anstatt entspannt würde ich nur genervt und fertig ankommen. Eine Fahrt im ICE ist das, was man der Bahn immer nachsagt: Ein Genuß in vollen Zügen.

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