Angeregt durch einen Beitrag im Jantarblog über einen mitteilsam telefonierenden Mitmenschen in der S-Bahn dachte ich mir, ich könnte eigentlich auch doch zu dem ein oder anderen seltsamen Wesen etwas schreiben, das man so in Bus & Bahn trifft. Ursprünglich hatte ich da ein paar Kandidaten im Kopf, aber auf der heutigen Heimfahrt war das dann wohl an Aktualität nicht zu überbieten.
Eigentlich beginnt es mit dem normalen Freitagnachmittag-“Ich muss mir einen Platz erkämpfen”-Wahnsinn, der in München ganz normal ist. Wer behauptet eigentlich, wir bräuchten dort keinen 5-Min-Takt auf der U-Bahn bzw. 10-Min-Takt auf der S-Bahn, weil sich das verteilt und kein echter Berufsverkehr stattfindet? Das kann nur irgendein papiertigernder Beamter sein, der schon seit Jahrzehnten kein öffentliches Verkehrsmittel mehr von innen gesehen hat.
Man muss also beim Einsteigen in der S-Bahn schon ziemlich vorne stehen und schnell sein, um vor den Leuten, die nur zwei Stationen bis zum Hauptbahnhof fahren, sich seinen Sitz zu ergattern. Ich hab gleich neben meinem Einstiegsbereich noch zwei freie Sitze gesehen, zugegeben, in dem Vierer-Platzbereich sassen schon zwei Herren, bei denen schlank das Gegenteil ihrer tatsächlichen Statur ist, gegen bin ich ja die reinste Grazie.
Ich hab mich auf einen der Sitze gesetzt, einer wäre am Fenster gewesen, aber da war mir die Gefahr zu groß, von dem einen Dicken an die Wand gequetscht zu werden. Ich brauch zwar nicht viel Platz, aber ich möchte zumindest mein Buch bequem und in Ruhe lesen können. Also hab ich mich auf den Platz gesetzt, bei dem der Gang daneben ist. Naja, richtig sitzen konnte ich das nicht nennen….Ich hatte nur den halben Sitz zur Verfügung, denn der andere brauchte selber 1 1/4 Sitz und noch 1/4 Sitz für seine Tasche, die er erstmal nicht wegnahm.
Irgendwann hat er mit einem bösen Blick zu mir seine Tasche dann doch weggenommen, während sich der Andere anfing aufzuregen, warum die S-Bahn nicht zufährt. Eigentlich stand sie nicht länger und nicht kürzer als sonst, sie war sogar auf die Minute pünktlich, was in München ja auch nicht gerade mit Häufigkeit gesegnet ist. Aber klar, wenn man zu spät ist, dann muss man sich natürlich drüber aufregen, so dass es auch alle mitbekommen, dass die S-Bahn nicht zufährt.
Lange musste ich das Gottseidank nicht aushalten, die beiden haben mich am Hauptbahnhof und der Hackerbrücke verlassen. Damit konnte ich mich in aller Ruhe wieder auf mein Buch konzentrieren, ohne ständig einen Absatz immer wieder neu lesen zu müssen.
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Netter Eintrag. Aber manchen ist weit schlimmeres widerfahren, siehe Link
http://sprengguertel.wordpress.com/2009/02/04/wie-man-zum-misanthropen-wird/
Kommentar by Rainer — 7. Februar 2009 @ 00:19