Die letzten Tage ging der Name einer Sängerin der No Angels durch die Medien. Die Sängerin ist verhaftet worden, weil sie im Verdacht steht durch ungeschützten Geschlechtsverkehr Männer mit HIV infiziert zu haben, obwohl sie von ihrer Erkrankung wusste. Derzeit geht es in den Medien allerdings nicht mehr um diesen Fall an sich, sondern um etwas anderes: Privatsphäre und Pressefreiheit.
Der Hintergrund: die Staatsanwaltschaft hat die Sängerin in aller Öffentlichkeit kurz vor einem Auftritt ihrer Pop-Gruppe in einer Frankfurter Diskothek verhaftet und bei einer Pressekonferenz auch deren Namen genannt. Die Medien, von A bis Z, von Online über Radio, Fernsehen bis zur Zeitung, haben den Namen genannt. Niemand schien sich daran zu stören, dass aus dem Verdachtsmoment eine mediale Verurteilung stattfindet.
Halt, da gab es doch jemand, den es störte: die Sängerin selbst. So hat sie eine einstweilige Verfügung gegen den Axel-Springer-Verlag erwirkt, die verbietet über ihren Fall zu berichten. Davon unbeeindruckt wird im Namen der Pressefreiheit munter weiter darüber berichtet. Die Süddeutsche Zeitung hat aus allen ihren Online-Artikeln den Namen der Sängerin entfernt, ebenso aus ihrer Print-Ausgabe, nur in einem Teil der Auflage erschien am Mittwoch auch der Name. Berichtet hat sie darüber dennoch. So verwundert es, wenn der Leitende Redakteur der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl, behauptet:
Die Süddeutsche Zeitung hat über die Verhaftung und den Tatvorwurf deshalb sehr zurückhaltend berichtet; sie wird den Namen der Sängerin auch weiterhin nicht nennen — obwohl dieser nun landauf, landab genannt wird.
Die BILD und der BILDblog ist ihm auf die Schliche gekommen. Daraufhin habe ich mal im Google Reader gesucht, in dem ich unter anderem auch RSS-Feeds der Süddeutschen Zeitung lese, und tatsächlich, ich wurde fündig:
Auch wenn der Artikel heute bereits gelöscht ist, so zurückhaltend mit der Nennung des Namens war auch die Süddeutsche Zeitung wohl nicht, wie es Prantl behauptet. Ein altes Sprichwort sagt: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.
Immerhin hat Herr Prantl Recht mit seiner Behauptung, die er im Beitrag Intimes als Aufmacher des Medienmagazins Zapp gibt:
Bei der Berichterstattung über diese Dinge muss ich ganz, ganz besonders vorsichtig und zurückhaltend sein. Auch wenn sie hier aus verschiedenen Gründen besonders spannend erscheint, aber Pressefreiheit ist auch nicht ein Freibrief zur Befriedigung der öffentlichen Geilheit.
Quellen und Links:
- Das BILDbloggen muss “Bild” noch üben (BILDblog)
- Der Fall der Sängering – Star, Sex und Stigma (Süddeutsche)
- Intimes als Aufmacher (NDR)








