Nachdem Februar und März durch Streckensperrung wegen Notarzt- und Polizeieinsatzes auf der S4 geprägt waren, wurde es im April erschreckend ruhig. Erschreckend deshalb, weil die Erfahrung zeigt, dass es nach einer ruhigen Phase umso dicker kommt. Und eines ist bei der S-Bahn sicher: Die nächste Störung kommt bestimmt. Am Dienstag war es dann soweit: Streckensperrung im morgendlichen Berufsverkehr auf dem empfindlichste Stück des ganzen Netzes – auf der Stammstrecke.
Gleich frühmorgens am Dienstag, nachdem ich mein Handy eingeschaltet hatte, hat mich die Botschaft des Störmelders erreicht:
[12.05.09, 04:30 Uhr]
Guten Tag, sehr geehrte Fahrgäste,
aufgrund eines Bombenfund besteht eine Streckensperrung zwischen Laim und Donnersberger Brücke.Leider können wir über die Dauer der Störung keine genaueren Angaben machen.
Anstatt noch ein wenig liegen zu bleiben bis zu den nächsten Nachrichten im Radio, bin ich sofort aufgestanden, um ein bis zwei S-Bahnen früher losfahren zu können. Denn Streckensperrung heißt, ich muss ab Pasing irgendwie mit der MVG weiterkommen und das benötigt mehr Zeit. Zum Frühstück gönnte ich mir auch nur einen halben Kaffee, so dass ich insgesamt mit der S-Bahn um 6.12 Uhr und damit 30 Minuten früher als geplant gefahren bin. Ich wusste schon, dass es spaßig wird, denn statt dem üblichen Vollzug stand nur ein Kurzzug bereit, was im Laufe der Fahrt auch ganz schön kuschelig wurde. Spätestens ab Pasing war kein reinkommen mehr, der Zug war voll. Aber immerhin, die Sperrung war seit 5.40 Uhr aufgehoben und ich konnte zumindest normal durchfahren. Im Laufe des Tages erfuhr man dann, dass es noch nicht einmal eine Bombe war. Aber lieber einmal zu oft gesperrt und es passiert nichts, als umgekehrt.
Gestern zeigte mir der Zugvoranzeiger in Pasing dann einen Text, den ich eigentlich nicht sehen wollte: Zug fällt aus. Wegen einer Signalstörung sind alle 10-Minuten-Taktverstärker ausgefallen. Was wieder zu einer kuscheligen Fahrt im nachfolgenden Regelzug führte. Der MVV veröffentlichte an diesem Tag die neuen Fahrgastzahlen: 617 Millionen Fahrgäste waren es 2007. Gefühlte 600 Millionen waren gestern in dieser S-Bahn drin. Die Flexibilität, bei ausfallenden Verstärkerzügen die Regelzüge auf Langzüge zu verstärken, hatte man natürlich nicht.
Tja und dann kams heute, wenige Minuten vor Feierabend:
Guten Tag, sehr geehrte Fahrgäste,
aufgrund eines Polizeieinsatzes besteht momentan eine Streckensperrung zwischen Donnersbergerbrücke und Hauptbahnhof.
Die S1 Richtung Freising/Flughafen beginnt und endet in Moosach. Die S2
Richtung Petershausen beginnt und endet in Laim. Die S4 Richtung
Mammendorf beginnt und endet in Pasing. Die S 4 Richtung Ebersberg
endet am Hauptbahnhof Tief. Die S5 Richtung Herrsching beginnt und
endet in Laim. Die S6 Richtung Tutzing beginnt und endet in Pasing. Die
S7 Wolfratshausen beginnt und endet in Mittersendling. Die S2 Richtung
Erding und die S5 Richtung Holzkirchen beginnen und enden am
Ostbahnhof. Die S 8 Richtung Flughafen beginnt und endet am Ostbahnhof.
Die S8 Richtung Geltendorf beginnt und endet in Pasing. Die S6 Richtung
Kreuzstrasse beginnt und endet in Giesing. Die Linie S27 entfällt.
Die S 20 beginnt und endet am Heimeranplatz. Leider können wir momentan keine genauen Angaben zur Dauer der Störung machen.
Eigentlich wollte ich ja mit der S20 nach Pasing fahren. Aber das hätte mich genauso wenig nach Hause gebracht, wie eine Fahrt über die Innenstadt. Eine Alternative muss her: mit U-Bahn und Bus über Fürstenried West nach Pasing. Geht noch recht bequem und die im Störungsfall chronisch überlasteten Ost-West-Verbindungen der MVG in der Innenstadt vermeide ich auch. Schon alleine bei dem Gedanken an die Tram 19 rollen sich mir die Zehennägel auf.
Während der Busfahrt erreichte mich dann am Handy wieder der Störmelder: Streckensperrung aufgehoben. Natürlich war noch alles verspätet. Natürlich war die S-Bahn wieder übervoll, allerdings hatte ich es schlimmer erwartet. Vor allem war es nicht so schlimm wie am Vortag. Heute waren es wohl nur gefühlte 450 Millionen im Zug. Der Grund war übrigens die Suche nach einer Person, die Selbstmordgedanken pflegte. So steht es zumindest in einem Kommentar zu einem Artikel des Münchner Merkurs.
Quellen und Links:
- Störung auf der S-Bahn-Stammstrecke (Abendzeitung)
- 617 Millionen Fahrten: Neuer Rekord beim MVV (Münchner Merkur)
- S-Bahn: Stammstrecke komplett gesperrt (Münchner Merkur)
- Stammstrecke: Verzögerungen bis in den Abend (Münchner Merkur)
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