Ich möchte heute die neue Kategorie Tagebuch eines Ausbilders eröffnen und hier ein wenig über meine Arbeit plaudern. Ausbilder ist kein Beruf – Ausbilder ist eine Berufung. Es wird niemals langweilig, trotz des sich ständig wiederholenden Stoffs. Man ärgert sich viel mit und über seine Auszubildenden, aber man lacht und fiebert auch mit ihnen. Ausbilder, das ist für mich der schönste Beruf den es gibt: Nach der Schule kommen die Auszubildenden bei uns dumm an (Lehrer mögen mir diesen Satz verzeihen), wenn sie uns dann nach zweieinhalb, drei oder dreieinhalb Jahren verlassen, dann sind sie keine Auszubildenden mehr. Sie sind dann Jungfacharbeiter und haben eine berufliche Zukunft, sie sind unsere berufliche Zukunft. Die Nachwuchs- und Führungskräfte von Morgen.
Ich höre immer wieder den Satz: Deinen Job möchte ich nicht machen. Wollte ich auch nicht, anfangs. Eigentlich dachte ich es nur als Übergangssituation. Im April werden es dann 13 Jahre in dieser Übergangssituation und ich kann mir derzeit nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Es ist anstrengend, sich nicht mal 15 Minuten hinsetzen zu können und in Ruhe eine Fachzeitschrift zu lesen oder eine Präsentation, einen Unterricht zu entwerfen ohne unterbrochen zu werden. Ständig wird man gebraucht, muss man Probleme lösen, muss man nochmal erklären. Mir macht es Freude, ich fühle mich wohl dabei. Was will ich denn mehr?
Die unzähligen vielen Facetten des Berufs Ausbilder möchte ich nun als Tagebuch niederschreiben. Woche für Woche einen kleinen Bericht über meine Tätigkeiten, Besonderheiten, Erlebnisse die man so hat. Hierbei werden natürlich auch meine Auszubildenden eine große Rolle spielen, denn letztendlich geht es ja um sie. Achja, wenn einer meiner Auszubildenden hier gelandet ist und mitliest: bitte seid so fair und outet nicht Eure Kollegen in den Kommentaren, wenn Ihr die Situationen wiedererkennt. Namentlich wird niemand genannt, das geht ja schon aus Datenschutzgründen nicht, ausserdem will ich das auch nicht. Damit aber für den regelmässigen Leser auch der Wiedererkennungswert mancher Zeitgenossen vorhanden ist, werde ich ein System verwenden, dass aus den Auszubildenden eine Buchstaben-Zahlenkombination macht und damit die Anonymität gewahrt bleibt. Damit aber nicht der falsche Eindruck entsteht: in Wirklichkeit sind für mich meine Auszubildenden keine Buchstaben-Zahlenkombination oder eine Personalnummer. Es sind und bleiben lebende Menschen mit Namen. Es sind und bleiben meine Mitarbeiter.
Nun möchte ich noch ein wenig zu unserer Ausbildung schreiben und zu meiner Rolle. Wir sind ein großes Ausbildungszentrum in München, mit etwa 300 Auszubildenden im Jahresmittel. Insgesamt werden 13 Berufe ausgebildet im kaufmännischen und gewerblichen Berufen, die Übernahmequote liegt aktuell bei etwa 75%. Die Mehrheit der 25% Nicht-Übernommenen verlassen das Unternehmen auf eigenen Wunsch, zumeist um weiter auf die Schule zu gehen und das Fachabitur zu machen.
Ich bin mit einem Kollegen zusammen für den Ausbildungsberuf Elektroniker/in für Betriebstechnik (EBT) zuständig. Zu zweit betreuen wir unsere Auszubildenden vom Ausbildungsstart am 1. September im Jahr 1 bis zum Bestehen der Facharbeiterprüfung gegen Ende Januar im Jahr 4. Aktuell haben wir 13 Auszubildende im 1. Ausbildungsjahr, 13 Auszubildende im 2. Ausbildungsjahr, 13 im 3. Ausbildungsjahr und 3 Auszubildende im 4. Ausbildungsjahr, die in wenigen Wochen ihre Abschlußprüfung haben.
Es möchte beim ein oder anderen Leser nun die Frage aufkommen, warum ich das Tagebuch mitten im Ausbildungsjahr beginne, denn das Ausbildungsjahr beginnt doch am 1. September. Nun, als Ausbilder lebe ich in zwei Jahreszyklen:
Einmal ist hier das Ausbildungsjahr, mit ihm beginnt immer wieder alles von vorne und es endet mit dem Sommerurlaub im August. Nach dem Ausbildungsjahr richtet sich der zu vermittelnde Stoff, die Berufsschulklassen und die Berufsschulzeiten und nicht zu vergessen die beiden Abschlußprüfungen Teil 1 (ehemals Zwischenprüfung) und Teil 2 (Facharbeiterprüfung).
Zum Anderen gibt es da noch das Kalenderjahr, nach dem sich das Finanzbudget, das Urlaubskontingent, die eigene Fortbildungsplanung und die Zielvereinbarungen und -erreichungen richten. Ich glaube, das kennt jeder von seinem eigenen Arbeitsplatz gut genug.
Ich habe mich dazu entschlossen, mit dem Tagebuch heute, an meinem ersten Arbeitstag 2010 zu beginnen. Das Tagebuch soll auch nicht nach einem Jahr enden, sondern über die nächsten Jahre hinweg laufend fortgeschrieben werden. Dabei wird der regelmäßige Leser auch bemerken, dass der Ablauf der Ausbildung nicht immer gleich ist. Der Stoff, der vermittelt werden muss schon, aber die Umstände, die Planungen und vor allem auch die unterschiedlichen Charaktere der Auszubildenden lassen immer wieder andere, neue Situationen entstehen. Genau das ist es, was den Job nie langweilig macht.
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