Das war sie nun, die erste Arbeitswoche in 2010. Begleitet haben mich Papier und Stift noch mehr als sonst, habe ich mir doch die Stichpunkte meiner Tätigkeiten mit aufgeschrieben, um jetzt diesen Eintrag verfassen zu können. Meinen ursprünglichen Gedanken, meine Arbeit tageweise aufzuführen habe ich relativ schnell wieder verworfen, gehen doch manchen Tätigkeiten laufend über mehrere Tage hinweg. Eine Wochenzusammenfassung dürfte hier dann doch die bessere Wahl sein.
Vorneweg ein Hinweis, der sich auch in zukünftigen Blogeinträgen immer wiederholen wird: Zur Anonymisierung, aber unter Beibehaltung eines Wiedererkennungswerts innerhalb des Blogs für den regelmässigen Leser, werden einzelne Auszubildende durch eine Zahlen-Buchstaben-Kombination dargestellt und ausschließlich die männliche Form Auszubildender verwendet. Natürlich haben wir auch weibliche Auszubildende bei uns, diese bilden nur durch den männlich dominierten Beruf eine kleine Minderheit. Würde ich sie nun entsprechend hervorheben, wäre die Anonymität nicht mehr genügend zu gewährleisten.
Diese Woche war in meinem Ausbilder-Einsatz-Plan keine Gruppe geplant, was aber nicht heisst, dass ich nichts zu tun habe. Vorgenommen hatte ich mir die Überarbeitung des SPS-Lehrgangs (Speicherprogrammierbare Steuerungen) zu beginnen und die nächste Woche organisatorisch vorzubereiten. Außerdem die Unterstützung meines Teamkollegen, bei dem das 2. Ausbildungsjahr für Elektrische Anlagen und das 4. Ausbildungsjahr zur praktischen Prüfungsvorbereitung geplant war.
Zuerst dachte ich ja, mich trifft der Schlag, als ich am Montag in meine Werkstatt kam. Es lagen Messer und Gabeln auf den Tischen, Kaffeetassen waren nicht abgespült, die Mülleimer nicht geleert, leere Joghurt- und Puddingbecher und die gebrauchten Kaffeefilter von letzter Woche schimmelten vor sich hin. Um die Kaffeemaschine herum Kaffeepulver, Papier anstatt im Sammelbehälter direkt daneben am Boden. Ich war kaum 2 Minuten in der Arbeit und habe schon die erste Entscheidung des Jahres getroffen: Kaffee ist für diese Ausbildungsgruppe erstmal gestrichen.
#1918 war der Erste, der sich Kaffee holen wollte und diese Nachricht erfahren hat. Als einer der Haupt-Kaffeetrinker in der Gruppe hat er auch am Meisten unter dem Verbot gelitten, war aber auch der Antreiber, dass sie sich besser selbst organisieren müssen. Am Mittwoch kamen dann #1918 und #0E2C an, um wieder um Kaffee zu betteln, mit dem Versprechen, sich besser selbst zu organisieren. Das Kaffeeverbot hab ich damit wieder aufgehoben, unter der Voraussetzung und mit dem Versprechen, dass es beim nächsten Problem, das auftaucht, dauerhaft bis zum Ende der Ausbildung beibehalten wird.
Ich glaube es ist unnötig zu erwähnen, was einen nach 4 Wochen Urlaub noch erwartet. Briefe und Mails im Überfluss, Besprechungsanfragen, Terminmitteilungen. Dadurch, dass ich auch noch 1 Woche später angefangen habe als meine Kollegen, haben auch schon die Teamsitzung für Januar stattgefunden. Also auch noch zusätzlich diese Infos holen, das Besprechungsprotokoll ist eher allgemein gehalten und kann höchstens als Erinnerungshilfe angesehen werden für diejenigen, die an der Besprechung teilgenommen haben. Dieses Mal waren auch wirklich wichtige Dinge angesprochen worden, der Termin und der Ablauf der diesjährigen EFK-Prüfung (Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten) für unser 2. Ausbildungsjahr sowie ein Qualitäts-Audit der Berufsschule im Februar.
Kaum, dass ich die Post und die Mails durchgearbeitet hatte und wieder Land für meine eigentliche Arbeit gesehen habe, gabs dann auch schon die erste Besprechung: der diesjährige Ablauf des Mitarbeitergesprächs und der leistungsorientierten Vergütung. Gegenüber der letzten Jahre wird ein anderes Formblatt verwendet und das Mitarbeitergespräch in 2 Schritten durchgeführt: Schritt 1 ist der Rückblick auf 2009 und die Zielerreichung aus dem letzten Mitarbeitergespräch. In Schritt 2 erfolgt dann die Zielvereinbarung für 2010, wobei wir uns ab diesem Jahr nicht mehr an den Zieldefinitionen nach der Balanced-Scorecard richten müssen. Meiner Meinung nach ein gewaltiger Schritt nach vorne.
Die Hausanlagen mussten auch noch überprüft werden, nach 4 Wochen im tiefsten Winter würde es mich wundern, wenn nicht mindestens eine Lüftungsanlage Alarm schlagen würde. So war es auch, in der Umkleide Nord hat der Frostschutz angesprochen gehabt. Zusätzlich kam noch hinzu, dass im hauseigenen Schwimmbad die Pumpe zur ph-Wert-Absenkung ausgefallen ist. Eine Überprüfung meinerseits hat ergeben, dass an der Dosieranlage die Spannung ansteht und auch die Dosiersignale ankommen. Der Fehler muss in der Dosieranlage selbst sein. Da die Anlage selbst noch unter Gewährleistung steht, war an diesem Punkt für mich Schluss mit der Fehlersuche. Hier muss der Hersteller ran.
Für meinen Kurs in der nächsten Woche (Elektrische Installationen) hab ich erstmal den Zustand des Ausbildungsraums kontrolliert und eine Bestellliste über das notwendige Material erstellt. Bei der Bestellung gab es dann eine unangenehme Überraschung: unser bisheriger Hauptlieferant hat einen Großteil des bei uns benötigten Materials aus dem Sortiment genommen. Das Suchen der Produkte im Katalog eines anderen Lieferanten hat entsprechend viel Zeit gekostet. Ich hoffe, dass er auch rechtzeitig am Montag liefert, sonst darf ich wieder improvisieren. Falls es jemand interessiert: das Material für die nächsten 2 Wochen Kurs kostet 737,63 € brutto – sofern nicht weitere, kaputte Betriebsmittel auftauchen, dann muss nochmal nachbestellt werden.
Mit meinem Fachmeister hab ich die Organisation der bevorstehenden Abschlussprüfung Teil 2 Anfang Februar und die Vorbereitung unserer Azubis auf die EFK-Prüfung besprochen. In diesem Rahmen haben wir auch noch über die Geräteprüfung nach VDE 0701-0702 diskutiert. Diese VDE-Vorschrift hat mich die ganze Woche beschäftigt und auch noch zu weiteren Diskussionen geführt. Ein anderer meiner Kollegen erarbeitet gerade neue Unterlagen über den kompletten Prüfablauf und den Umgang mit Problemen, die sich bei manchen Geräten ergeben. Zusammen mit dem Teamleiter wurde auch noch über die Einteilung nach Schutzklassen diskutiert, ob und in wie weit sinnvoll es ist, überhaupt noch den Prüfablauf an den Schutzklassen festzumachen. Gemäß der VDE-Richtlinie wird nur noch nach Vorhandensein und/oder Prüfbarkeit des Schutzleiterwiderstands unterschieden. Nebenbei wies ein Kollege daraufhin, dass die neueste Ausgabe des Tabellenbuchs – obwohl auf die aktuelle VDE 0701-0702:2008-06 verweisend – der Prüfablauf falsch dargestellt ist.
Für die EFK-Prüfung hatte das 2. Ausbildungsjahr in Kleingruppen von 2-3 Leuten die Möglichkeit, sich nochmal mit der Geräteprüfung nach VDE 0701-0702 vertraut zu machen, mit unseren verschiedenen Messgeräten die Prüfung unterschiedlicher Geräte mit den unterschiedlichen Anforderungen zu üben und zu wiederholen. Obwohl sie es bereits vor über einem Jahr schon einmal gelernt haben, ist es bei Manchen als wenn man bei Null anfängt. Interessant ist, dass wir diese Möglichkeit zur Wiederholung auf Freiwilligkeit angeboten haben. Nicht jeder hatte es nötig, sein Wissen nochmal zu überprüfen und praktisch anzuwenden. Jetzt bin ich noch als Ansprechpartner für Fragen zur Verfügung gestanden. Hoffentlich gibt das bei der EFK-Prüfung nicht das böse Erwachen, wenn man die Entscheidung treffen muss, ob der Schutzleiterstrom durch die Ersatz-Ableitstrom-, Ableitstrom- oder Differenzstrommessung ermittelt wird.
Mit #011E und #0C02 aus dem 1. Ausbildungsjahr habe ich ein Kontaktgespräch geführt, nachdem sie zuletzt für 4 Wochen in der Berufsschule waren. Beide sind in der sogenannten DBFH-Ausbildung und erwerben den Beruf statt in 3 ½ in 2 ½ Jahren, gehen anschliessend für ein halbes Jahr Vollzeit auf die FOS und haben dann nach insgesamt 3 Jahren sowohl einen Ausbildungsberuf erlernt als auch die Fachhochschulreife erworben. Dadurch sind sie mit den „normalen“ Auszubildenden nicht immer zusammen. Zuletzt vor Weihnachten war dieser Fall, #011E und #0C02 waren in der Berufsschule, während ich mit der Ausbildungsgruppe einen Kurs hatte. Beide hatten sich nun Sorgen gemacht, sie würden durch die langen Berufsschulblöcke gegenüber der Gruppe zurückbleiben. Die Sorgen sind natürlich unbegründet, denn ich achte darauf, dass der Inhalt trotzdem vermittelt wird, auch kommen in diesem Jahr noch einige Wochen, in denen die Gruppe in der Schule ist, die beiden DBFH’ler jedoch bei mir Kurs haben und damit Inhalte nachholen.
Bei der Kontrolle der Berichtshefte des 1. Ausbildungsjahrs ist mir bei #1B0D aufgefallen, dass die Rechtschreibung und Grammatik unter aller Kritik liegt. Entsprechend hab ich ihn drauf hingewiesen, dass ich nochmal das komplette Berichtsheft von Ausbildungsbeginn an sehen möchte, hier muss ich ein genaueres Auge drauf werfen. Dadurch, dass jetzt über Weihnachten und meinem längeren Urlaub mehrere Wochen zusammengekommen sind, ist das wohl besser aufgefallen als bisher.
Den Auszubildenden zur praktischen Prüfungsvorbereitung habe ich immer wieder Hilfestellung zur Programmierung ihrer Automatisierungsprogramme gegeben. #162E brauchte hierbei besondere Betreuung. Ich glaube, er hat auf dem Bildschirm einfach keinen Überblick mehr gehabt, es waren maximal 2 Netzwerke auf einmal darstellbar und man musste ewig hin- und her scrollen. Auch hatte er übersehen, dass es durchaus auf die Reihenfolge der Netzwerke ankommt, da die Siemens S7 nicht mit Echtzeitzuständen, sondern lediglich mit Prozessabbildern arbeitet. #161B hat ebenfalls den Überblick verloren, was aber meiner Meinung nach daran liegt, dass er mit der Siemens Logo arbeitet und die Programmiersoftware alles andere als nur suboptimal ist. Verbindungslinien legen sich bei dem Umfang dieses Programms sehr oft übereinander, so dass es nicht mehr erkennbar ist, welcher Baustein mit welchem Baustein verbunden ist.
Die Zeitjournale für letzten Dezember mussten auch noch für alle Azubis überprüft werden. Sind die Kernzeiten, das Jugendarbeitsschutzgesetz und die Grenzen für das Gleitzeitkonto eingehalten worden. Einer war natürlich dabei, der seine Zeitschuld überzogen hat um fast 5 Stunden. Obwohl er bereits eine Zeitschuld von 2 Stunden hatte, hatte er noch einen Tag auf Gleitzeit frei genommen und hat damit eine Gesamtzeitschuld von nahezu 10 Stunden. Es ist aber nur eine Zeitschuld bis 5 Stunden erlaubt. Da der Azubi im Unternehmen zur Sammlung von Praxiserfahrung eingesetzt ist, werden wir ihn demnächst zum Gespräch einbestellen und dann über die entsprechende disziplinarische Massnahme entscheiden. War er bisher mit der Gleitzeit unauffällig, werden wir eine Missbilligung aussprechen, andernfalls könnte es sogar eine Abmahnung werden.
Mit dem 2. Ausbildungsjahr war ich noch in einem unserer Heizkraftwerke, dort wird an einer Dampfturbine gerade die Revision durchgeführt und sie ist in ihre Einzelteile zerlegt. Das ist auch für mich durchaus interessant, diese großen Turbinenschaufeln zu sehen und aus wieviel einzelnen, präzise verarbeiteten Teile so eine Turbine besteht. Für die Azubis war das natürlich auch eine willkommene Abwechslung und sicherlich nicht minder interessant, auch so ein Kraftwerk von innen zu sehen. Der ein oder andere wird auch noch im Kraftwerk arbeiten während seiner Ausbildungszeit.
Ich möchte nun so langsam diese Woche abschliessen, auch wenn es noch mehr zu schreiben und zu erzählen gibt. Korrekturlesung überarbeiteter Kursunterlagen, Absprache über die Finanzmittel zur Neuausstattung der Werkstatt, Lesen von Fachzeitschriften etc. gehörte auch noch zu meinen Aufgaben, würde jedoch so langsam den Rahmen sprengen. Wenn ich jetzt auf meinen Text zurückblicke, so denke ich: unglaublich. War das wirklich nur eine Woche? Ja, war es. Meine erste Arbeitswoche in 2010.
Wikio







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Trackback by Andivista — 23. Januar 2010 @ 12:57