24. Februar 2010

Ich hatte da schon so ne Vorahnung…

Category: Bus und Bahn — smirne @ 20:18

…dass es ganz dicke kommen würde, in Europas bestem Nahverkehr. Schliesslich sind wir die Besten: der beste Takt, die besten Tarife, die beste Erreichbarkeit, die besten Störungen. Vorletzte Woche erst, wurde ich Dienstag und Mittwoch aus insgesamt drei U-Bahnen hinauskomplimentiert mit den Worten: Bitte alle aussteigen, der Wagen ist defekt.

Genuß in vollen Zügen. 9.11.2009

Europas bester Nahverkehr. Ich möchte dann gar nicht wissen, wie es woanders ist. Diese Woche begann auch schon so komisch. Montag waren sowohl die S-Bahn als auch die U-Bahn absolut pünktlich. Ich ahnte schon, dass es dann nur umso schlimmer kommen würde. Am Dienstag Morgen dachte ich dann, es würde schon beginnen. Um 6.21 Uhr twitterte ich:

Lokführer sagt soeben durch, dass die Heizung im ersten Wagen grad kaputt gegangen ist. #Bahn #kaputt #nixneues

Das war es aber auch. Ansonsten: absolut pünktlich. Ungewöhnlich. Absurd. Auch die U-Bahn danach war wieder so pünktlich. Und ich ahnte es: da kommt was ganz Dickes auf uns zu. Twitter, 6.59 Uhr:

Hmm. Gestern S- und U-Bahn pünktlichst, heute auch bisher. Oh Mann, da braut sich wieder ne große Störung zusammen die Woche. #Angst

Und heute war es dann soweit. Kurz vor Mittag ging das Stellwerk der Stammstrecke übern Jordan und es war kein Zugverkehr auf Europas meist befahrener Strecke mehr möglich. Hat mich an sich nicht viel gejuckt, ich war ja in der Arbeit und hatte noch etwa 5 Stunden vor mir. Bis dahin wird’s ja wohl wieder laufen. Tat es an sich auch, um kurz vor 15 Uhr vermeldete der Störmelder, dass die S-Bahnen wieder fast alle auf dem Regelweg fahren. Bis ich um 17 Uhr die Arbeit verlasse, dürfte es – von Verspätungen und Ausfall der Taktverstärker abgesehen – wieder normal laufen. Aber ich hatte Recht: es kam was Dickes.

Was ich nicht wusste: der Störungsgenerator der S-Bahn hatte noch was vorgesehen. Irgendwann im Laufe meines Fussweges zur U-Bahn bzw. der U-Bahn-Fahrt schwenkte das Stellwerk am Ostbahnhof mit der weissen Fahne. Am Marienplatz angekommen gab es gleich die Durchsagen, man solle mit der nächsten S8 fahren und Hbf bzw. Pasing, je nach Linie, umsteigen. Die S8 kam auch sofort und hatte auch noch genügend Luft innen drin, um mich aufzunehmen. Zwei Stationen weit sind wir gekommen. Am Hbf, meldete der Lokführer: Wegen einer Stellwerksstörung verzögert sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit.

Wir waren am Hauptbahnhof, also bin ich ausgestiegen und ab zum nächsten Regionalzug, der in Pasing hält. Wichtigste Regel für einen jeden S-Bahn-Geplagten: immer schnellstmöglich nach Pasing oder Ostbahnhof, ab dort geht es meistens weiter. Ich betreibe das auch, wenn alles normal läuft. Der nächste Zug nach Pasing ist meiner und wird geentert, denn jeder Zug in der Stammstrecke könnte der Letzte vor der Störung sein. Mein bester Freund sagt immer, ich bin Stammstreckenflüchtling. Mit dem Zug war ich dann auch relativ schnell in Pasing, dort erstmal nen Kaffee geholt – wenn schon die Umstände beim nach Hause fahren, dann wenigstens mit Lebensqualität – und auf dem Weg in Richtung Bahnsteig der S-Bahn kamen mir dann die Leute aus der S8 entgegen, aus der ich vorher ausgestiegen war. Aber ich hatte zwischenzeitlich ja schon meinen Kaffee besorgt und war nicht im Zug eingequetscht :-D

In Pasing stand dann auch schon ne S-Bahn zu mir nach Hause bereit und fuhr auch bald ab. Alles in allem hatte ich mal wieder Glück, es ging unter diesen Umständen immer relativ schnell weiter und meine Fahrzeit hat sich nur um etwa 15 Minuten verlängert. Das kenn ich auch anders. Aber wieder einmal zeigt sich, dass Europas beste Fahrgäste in Ihrem Nahverkehrssystem störungserprobt sind und eigentlich sofort wissen, welche Ersatzfahrmöglichkeiten man hat. Auch wenn es nervig ist, aber in Europas bestem ÖPNV kommt man fast immer irgendwie weiter und letztendlich ans Ziel.

Ich wusste es, es würde ganz Dicke kommen. Jetzt kann ich Morgen wieder entspannter zum Bahnhof gehen. Auch wenn die Störungen immer drei sind (alte S-Bahn München-Regel), die Größte und Schlimmste dürften wir hinter uns haben. Mal abwarten, was nächste Woche passiert.

Update 22:50 Uhr: Zu früh gefreut, der Störmelder hat eben für morgen Früh weiter eingeschränkten Verkehr angekündigt mit gleichem Notprogramm wie heute Abend bereits. Kann ich den gleichen Stress in umgekehrter Reihenfolge erleben. Und ich hatte da schon so ne Vorahnung, dass es so richtig Dicke kommen könnte….

2. Update 25.2. 7:10 Uhr: Als ich mich heute Morgen um 5.30 Uhr auf den Weg zum Bahnhof machte, kam die E-Mail vom Störmelder, dass die Störung behoben ist. Das war auch so, der Verkehr lief – zumindest zu meiner Uhrzeit – nahezu störungsfrei und wieder im Rahmen der normalen Pünktlichkeit, also mit Verspätungen im Bereich weniger Minuten. Scheinbar haben wir es nun wirklich für diese Woche überstanden.

Meine Tweets zur Störung:

Ich wusste doch, dass sich Europas bester Nahverkehr für die Pünktlichkeit der letzten 2 1/2 Tage noch rächen wird. #Stammstreckensperrung 12:41 Uhr

Stammstrecke spinnt schon wieder 17:26 Uhr

S3, S4, S6 erst ab Pasing, S1, S2 ab Hbf. Stehe in ner S8, die fährt zumindest jetzt noch durch. 17:28 Uhr

Jetzt ist wieder ganz dicht. #stammstrecke 17:34 Uhr

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  • 1 Kommentar »

    1. Kann dir nur gratulieren. Du warst ein oder zwei S-Bahnen vor mir. Danach lief es leider nicht mehr so gut. Da mir die S-Bahnen im Tunnel zu voll waren, bin ich vom Stachus zum Hauptbahnhof gelaufen und von dort mit dem Regionalzug nach Pasing. Die S3 stand auch schon bereit und ist recht zeitnah abgefahren. Was dann allerdings echt genervt hat, war ein defekter Zug im Heimatbahnhof, der die Einfahrt meiner S-Bahn um geschätzte 15 Minuten verzögert hat.
      Wenn du wieder mal so eine Vorahnung hast, nehme ich in der Woche Urlaub. Denn auch nach 17 Jahren MVV bin ich noch nicht genug abgestumpft, um mich über ein Chaos wie heute gar nicht aufzuregen.
      Obwohl ich auch zugeben muss, dass sich unterwegs einige nette Gespräche ergeben haben :-)

      Kommentar by Dodo — 24. Februar 2010 @ 20:58

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