Google Street View ist in aller Munde. Google Street View ist böse, denn es verletzt die Privatsphäre. Es verletzt die Privatsphäre? Nein, tut es nicht. Google fotografiert die Straßen und Häuser im öffentlichen Raum. Hier wird die Privatsphäre genauso wenig verletzt, wie bei jedem anderen, der in der Straße entlang fährt oder geht.
Jetzt sind wir uns doch mal ehrlich: Was sieht man denn da? Eine statische Aufnahme vom Datum X. Ich finde das schon irgendwo schizophren, dass man einerseits Webcams aus dem Fenster hängt, nach Videoüberwachung schreit und dann gegen einfache Fotos aus dem öffentlichen Raum ein Riesen-Brimborium macht. Verbraucherschutzministern Ilse Aigner (CSU) rät zum Widerspruch bei Google. Die Gemeinde Gröbenzell (Lkr Fürstenfeldbruck) hat für die gemeindeeigenen Liegenschaften Widerspruch eingelegt. Auch für ihren Betriebshof, dessen Ansichten sie aber selbst ins Internet stellt.
Wo beginnt eigentlich die Privatsphäre im öffentlichen Raum? Habe ich mit dem nachfolgenden Bild aus meiner Gemeinde im Jahr 2006 die Privatsphäre verletzt? Verletzen die Medien nicht genauso wie Google die Privatsphäre, wenn sie ein Bild aus einer Straße einblenden?

Es ist schon komisch, dass ein Staat versucht hier die Bevölkerung gegen eine angebliche Datenschutzverletzung mobil zu machen, selbst aber laufend den Datenschutz der Bevölkerung missachtet. Man denke hier nur an die verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung, an ELENA oder daran, dass die Einwohnermeldeämter die Daten der Bevölkerung weitergeben.
Der Verlierer in der ganzen Aufregung ist doch der echte Datenschutz. Über den macht man sich keinen Gedanken. Und der Gewinner ist eindeutig Google. Mehr kostenlose Werbung – und das sozusagen noch staatlich subventioniert – kann sich doch keine Firma für ihren Dienst wünschen.