Freizeichen.
ISP: ISP Abzocke GmbH, Guten Tag. Meine Name ist Rafafalfa Gratlerhuber, was kann ich für Sie tun?
Kunde: Guten Tag, mein Name ist Ausgenutzter Kunde. Ich möchte gerne mein Internet upgraden.
ISP: Was darf ich Ihnen dazubuchen, Herr Kunde?
Kunde: Twitter. Ich hätte gerne Twitter dazu.
ISP: Ja, da hätte ich für Sie das Paket Light mit 20 Tweets täglich für nur 4,95, Medium mit 40 Tweets für 7,95 oder die Twitter Flatrate für nur 9,95. Welches hätten Sie denn gerne?
Kunde: Nun, ich weiss nicht. Wieviel sind denn 20 Tweets. Klingt ja nicht nach viel. Vielleicht sollte ich die Flatrate nehmen, aber 9,95…Kann ich denn jederzeit downgraden?
ISP: Nein, das geht leider nicht. Wenn Sie jetzt buchen, dann haben Sie das Paket fix bis zum Ende Ihrer Vertragslaufzeit. Ich sehe hier, das sind noch 18 Monate. Aber ich kann Ihnen auch noch ein anderes Angebot machen. Wir haben zur Zeit ein Aktionsangebot, wenn Sie jetzt das Paket Twitter & Blogs buchen, haben Sie eine Flatrate für Twitter und Zugriff auf alle Blogs. Das kostet Sie in den ersten zwei Monaten nur 8,95 pro Monat zum Testen. Sind sie unzufrieden, geben Sie uns Bescheid und nach den zwei Monaten ist Schluss. Wollen Sie das Paket weiterhin haben, brauchen Sie nichts weiter zu tun und zahlen ab dem dritten Monat 14,95 pro Monat, zusätzlich zu Ihrer Grundgebühr.
So oder so ähnlich könnte es in Zukunft ablaufen, wenn es nach den Providern geht. Die Netzneutralität ist für uns bisher selbstverständlich, auch wenn sie in wenigen Bereichen durchaus schon verletzt wird. Aber in Zukunft könnten wir uns daran gewöhnen müssen, für jeden Dienst zusätzlich bezahlen zu müssen und Beschränkungen zu haben. Möglich wäre es, dass wir auch nicht mehr jede Suchmaschine nutzen können. Ein Provider könnte einen Exklusivvertrag mit Microsoft abschliessen und über seine Leitungen ausschliesslich die Suchmaschine Bing erlauben. Die Prioritäten der Datenpakettransporte und die Geschwindigkeit müssten sowohl von Anbietern wie von Kunden extra bezahlt werden.
Der elektrische Reporter vom ZDF hat dies im Mai 2009 schon einmal zum Thema gehabt und auch sehr gut erklärt:
Die Netzneutralität wird in den USA schon groß diskutiert, bei uns ist sie derzeit eher als Nebengeräusch wahrzunehmen. Dennoch bin ich mit ziemlich sicher, dass das oben angerissene Telefon-Szenario keiner von uns so erleben möchte. Daher muss die Netzneutralität von der Politik jetzt gesetzlich festgeschrieben werden. Die Providerbegehren für Zusatzgebühren sind schon Realität, wie bei der Zeit nachzulesen ist: den Artikel Telekom träumt von Google-Gebühr veröffentlichte sie am 22. März 2010.
Weitere Blogposts zum Thema:
- Netzneutralität
- Kommunikative Grundversorgung: Sicherung der Netzneutralität durch Must-Carry-Regeln
- Netzneutralität: Voraussetzung für Innovationen
- Die CDU und die Netzneutralität








