
Logos verschiedener TV-Sender
Viel hat sich im TV-Bereich getan im Laufe meines Lebens. In meiner Kindheit waren es 5 1/2 Programme (1/2 für die SRG, die nur bei entsprechender Witterung empfangbar war) und damit waren wir hier noch sehr gut bedient. Ein Großteil der Deutschen hatte lediglich drei Programme – ARD, ZDF und das regionale Dritte. Bei mir kamen neben dem teils empfangbaren SRG noch ORF 1 und ORF 2 hinzu. Für mich als Kind ein Segen, das Kinderprogramm war bei den Österreichern einfach besser, unvergessen ist hier Am Dam Des oder Familie Petz. Etwas vergleichbare gab es in den deutschen Sendern höchstens im Ferienprogramm. Ebenso gab es damals noch einen Sendeschluss. Spätabends wurde das Programm beendet und erst mitten am Nachmittag der Sendebetrieb wieder aufgenommen. Dazwischen war das Testbild oder – bei den dritten Programmen – am Vormittag der Telekolleg. Und man konnte alles nur live sehen, also nur dann, wenn es ausgestrahlt wurde.
In der ersten Hälfte der 80er-Jahre bekamen wir dann den ersten Videorekorder. Damit war es dann möglich, Sendungen aufzuzeichnen und zu einer beliebigen Uhrzeit oder an einem beliebigen Tag anzusehen. An der Anzahl der Fernsehsender hatte sich aber noch nichts geändert: ARD, ZDF, Bayerisches Fernsehen, ORF 1, ORF 2 und manchmal SRG. Aber die Sendezeiten waren schon ausgeweitet: es gab am Vormittag bis zum Mittag Wiederholungen vom Vorabend. Im Laufe der weiteren 80er-Jahre wurden aber auch hier nach und nach ausgeweitet, bis hin zur ganztägigen Ausstrahlung vom Morgen bis zum Spätabend. Das Nachtprogramm und damit der 24-Stunden-Sendebetrieb ist erst in den 90er-Jahren aufgenommen worden.
Um den Jahrzehntenwechsel von den 80ern zu den 90ern kam bei uns die Fernsehvielfalt in Form des Kabelfernsehens. RTLplus, Pro 7, Sat.1 und Tele 5 faszinierten mit US-Serien, Gameshows und Kinofilmen. Die Werbung war noch strenger reglementiert als es heute der Fall ist, die Werbeblöcke waren weniger und sie waren kürzer. Kurz: die Werbepause war noch ertragbar. Als damaliger Jugendlicher war ich natürlich von der bunten Flimmerwelt der Privaten fasziniert – und hormonell bedingt natürlich auch von den Erotikausstrahlungen am Samstag nach 23 Uhr. In den öffentlich-rechtlichen war das undenkbar, sorgte doch in der Lindenstraße ein einfacher Kuss zwischen Homosexuellen noch für einen Riesenskandal.
Trotz Videorekorder habe ich die Fernsehsendungen dennoch die meiste Zeit live gesehen. Aufgenommen habe ich Filme, die ich aufheben wollte. Eher selten Sendungen zum später anschauen, denn die Videokassetten haben doch relativ schnell an Qualität verloren und das Fernsehbild war unansehnlich. Und Videokassetten kosteten Geld, das ich lieber woanders ausgegeben habe. Dennoch hat einen der Videorekorder fast 20 Jahre begleitet – nicht immer der gleiche, vier bis fünf verschiedene dürften es schon gewesen sein. Ab 1999 hielt bei mir die DVD Einzug, auch wenn sie damals noch sehr teuer war. Den Videorekorder hat sie aber dennoch nicht ersetzt, konnte man doch Sendungen auf DVD noch nicht aufnehmen – und ich hab bis heute noch nie einen DVD-Rekorder besessen.
Vor etwa fünf oder sechs Jahren dann wurde ein Gerät angeschafft, dass den Videorekorder bei mir in Rente schickte: der erste Festplatten-Receiver. Nicht nur, dass man hier Filme in 1a-Qualität aufnehmen und jederzeit anschauen kann, auch ist damit etwas möglich, was man sich in den 80ern niemals hätte träumen lassen: Timeshift. Timeshift ist eine Funktion, eine Sendung zeitversetzt ansehen zu können. Oder einfach zwischendrin Pause zu drücken und später an der Stelle weiterzumachen. Der Receiver nimmt die Sendung zwischendrin auf der Festplatte auf und spielt ab der Stelle, an der man Pause drückte wieder ab. Was für ein Segen, jetzt kann zwischendrin anrufen wer will, man verpasst nichts mehr. Oder nimmt einfach auf und startet erst später, weil man um 20.15 Uhr noch nicht zu Hause ist, sondern erst kurz später. Beim Videorekorder musste man ja noch bis zum Ende der Sendung warten, damit man mit dem Anschauen beginnen kann.

Meine abonnierten Podcasts in iTunes.
Mit dem Kauf des iPhones vor anderthalb Jahren kam dann noch etwas weiteres hinzu: der Podcast. Viele Fernsehsendungen werden als Videopodcast bereitgestellt, damit man sie jederzeit – auch im Nachhinein – anschauen kann, auch mobil unterwegs. Sendung verpasst? Dann gibts auch bei fast jedem Fernsehsender eine Mediathek, bei der man die Sendung noch einige Tage abrufen und anschauen kann. Über das Internet, jederzeit, überall. Das Fernsehen hat sich stark verändert. Es ist vom unterhaltenden Zeitvertreib zum alltäglichen Accessoir geworden. Hat man früher noch Kollegen erzählt, was in der Sendung für ein Bericht drankam, zeigt man den Bericht heute mal schnell auf dem Smartphone her.
Zumindest meine Fernsehnutzung hat sich mit den Möglichkeiten ganz stark verändert. Es gibt kaum noch eine Sendung, die ich live sehe. Den Tatort am Sonntag noch, wobei es in den Sommermonaten auch mehr zum Timeshift-Einsatz kommt. Die für mich wichtigsten Sendungen habe ich als Podcasts abonniert, die ich am Computer, iPhone oder am TV ansehen kann. Was es nicht als Podcast gibt, das gibt es in der Mediathek. Der Festplattenreceiver nimmt fast nur noch Filme auf, der Videorekorder liegt am Speicher in seinem Rentnerleben und vom privaten Free-TV hab ich mich aus Niveaugründen Anfang des Jahres verabschiedet. Ich bin gespannt, wo es in der Zukunft noch hingeht. Meine Fernsehnutzung jetzt finde ich schon sehr bequem.
Wie hat sich Deine Fernsehnutzung verändert?