S-Bahn München: geplante Unterkapazität
Wegen umfangreicher Bauarbeiten fährt meine Hauslinie heute nur im 40-Minuten-Takt (statt im 20- und 10-Minuten-Takt). Das ist im Internet schon seit Wochen angekündigt und extra in die Ferienzeit gelegt worden, da hier das Verkehrsaufkommen ein wenig schwächer ist, als an normalen Tagen. Löblich, liebe Bahn, es hatte echt den Anschein, als wenn hier wirklich gut geplant war. Die heutige Ausführung ist jedoch nur als extrem mangelhaft zu bezeichnen.
Zugegeben, das Bild rechts ist nicht von heute, sondern vom 9.11.09, als aufgrund eines Ausfalls der Zugnummernmeldeanlage wieder einmal eng wurde. Aber das Bild hätte man heute auch machen können. Denn ich musste um kurz nach 9 Uhr nach München fahren und gut vorbereitet wie ich als Fahrgast war, wusste ich, dass die S-Bahn um 9.12 Uhr fährt, die S-Bahn um 8.42 Uhr, 8.52 Uhr und 9.02 Uhr (jeweils Vollzüge = 2 Triebwagen) entfielen. Nun hätte man ja meinen können, dass aufgrund der geplanten 4-in-1-Bahn die maximale Zuglänge (Langzug = 3 Triebwagen) ausgenutzt wird. Aber Pustekuchen: die S-Bahn München war der Meinung, dass die Kapazität von 8 Triebwagen auch locker in 2 Triebwagen passt.
Nunja, gepasst hat es irgendwie. Irgendwie halt. Dicht an dicht, eng an eng stand die Leute, Gruppenkuscheln nennt man sowas. Wirklich angenehm war das nicht. Und da ja auch schönes Wetter war und Ferienzeit ist, sind natürlich auch viele Ausflügler unterwegs – mit Fahrrädern. Dazu noch das Klientel, das sowieso am Vormittag unterwegs ist: Mütter mit Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren. Aber, wohin damit? Und vor allem, wenn man mal drin ist, wie wieder raus durch die Massen? Lange Standzeiten und Verspätung waren ebenso die Folge wie Wut, Hass und Frustration powered by S-Bahn München. Freunde haben sie sich damit nicht geschaffen. Und Kunden gewinnt man so auch nicht – eher das Gegenteil: man wird die Kunden auf diese Weise auch ganz schnell los.
Nein, S-Bahn München, das war heute wirklich nix. 175 Jahre Erfahrung der Deutschen Bahn und ihrer Vorgängergesellschaften haben nichts geholfen, hier wurde gepfuscht. Als im Juli 2007 ein IC bei Gröbenzell entgleist ist und aufgrund der Umleitung die 10-Minuten-Takt-Verstärker ausgefallen sind, hat die S-Bahn München es auch kurzfristig geschafft, die Regelzüge auf Langzüge zu verstärken. Offenbar war die Vorlaufzeit für geplante Bauarbeiten zu lange um die Zuglänge bedarfsgerecht anzupassen.
Am Rande erwähnt sei, dass im Bahnhof München-Pasing die Baustellenkommunikation der S-Bahn eine Katastrophe ist. Als Aushänge finden sich nur die nächtlichen Bauarbeiten auf der Stammstrecke und die große Sperrung der S7, die an dem Bahnhof noch nicht einmal verkehrt. Infos über die Einschränkungen auf der S3 (oder auch S6 und S8 haben derzeit abends Einschränkungen)? Fehlanzeige. Durchsagen? Hat Pasing überhaupt noch/schon wieder Lautsprecher? Und laut bei den Zugzielanzeigern darf man ruhig die Via-Anzeigen anpassen. Maisach kommt erst nach Lochhausen.

