Wenn aus 45 Minuten gleich 3 Stunden werden
Diesmal hat es mich erwischt, mit der Störung: Notarzteinsatz auf der S4. Meine Bahn hat Esting verlassen und durfte nach Olching nicht mehr rein. Es dauerte nur wenige Augenblicke bis die Durchsage kam: Wegen eines Notarzteinsatzes verzögert sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit.
Notarzteinsatz. Das kann jetzt von umgekippter Person bis zusammengefahrenes Stück Fleisch alles sein. Also hab ich erstmal abgewartet und mein Buch weitergelesen. Nach einer Viertelstunde war mir dann klar: wenn es so lange dauert, dann ist da nicht nur jemand umgekippt, das dauert jetzt länger und habe anschließend die Arbeit informiert. Wenn wir denn nur am Bahnsteig in Olching stehen würden, dann könnte ich mit dem Regionalbus auf die S8 rüberfahren.
Viele meiner Mitfahrgäste wünschten sich auch, am Bahnsteig zu stehen: um eine Zigarette rauchen zu können. So nach und nach hörte man alle irgendwann mal telefonieren, Schule und Arbeit informieren, Partner und Eltern informieren, die normal später fahren, dass sie es erst gar nicht probieren müssen. Wir sind ja nichtmal bis zur dritten Station gekommen. Die Dame, die mir gegenüber sass, wäre gerne zurückgefahren um aufs Auto umzusteigen, sie wollte nach Weilheim. Egal, wann es mit der S-Bahn weiter geht, sie würde noch länger brauchen, weil sie nochmal auf einen Zug umsteigen muss, der nur jede Stunde fährt.
Insgesamt war die Stimmung erstaunlich entspannt, nach allem was ich bisher immer gehört hatte, hätte ich eine aggressivere Stimmung erwartet. Nach etwa 45 Minuten durften meine Bahn dann bis in den Bahnhof Olching einfahren. Der Lokführer informierte uns aber darüber, dass die Strecke zwischen Olching und Lochhausen immer noch gesperrt ist und wir auf den Schienenersatzverkehr ausweichen sollen.
Ich entschied mich dafür, mit dem Bus nach Fürstenfeldbruck zu fahren, auch wenn ein SEV-Bus dastehen sollte. Grund: Die Masse konzentriert sich auf den SEV-Bus und auf den Bus nach Eichenau, um näher an München zu sein. Die Busse sind aber dann hoffnungslos überfüllt, der Bus nach Fürstenfeldbruck ist zwar immer voll, aber den Umständen entsprechend einfach bequemer. Und ob ich jetzt nochmal 20 Minuten später in der Arbeit bin oder nicht ist zu diesem Zeitpunkt auch schon egal.
So habe ich also meinen Weg zur Arbeit dann doch noch gefunden, nur sind aus 45 Minuten dann 3 Stunden geworden. Aber: Ankommen ist das Ziel. Mein Kompliment an den Lokführer, der hat mit seinen zwei kurzen Durchsagen die Fahrgäste top informiert, das ist leider nicht bei jedem seiner Kollegen die Selbstverständlichkeit. Wir Fahrgäste, die in Olching aus dem Zug gestiegen sind, waren sogar besser informiert als diejenigen, die in Olching am Bahnsteig standen. Die Informationen aus den Durchsagen dort waren zu leise und kaum verständlich, noch dazu ziemlich nichts aussagend.
Als ich in Fürstenfeldbruck auf die S8 umgestiegen bin, erreichte mich der Störmelder auf dem Handy: Die Streckensperrung ist aufgehoben. Somit ist zumindest die Heimfahrt gesichert.