Das Ende einer Ära – die Videotheken sterben

Mit einer gewissen Art von Wehmut habe ich gelesen, dass meine Videothek, in der als Jugendlicher meine Liebe zum Film entstand, im März schließen muss. Ich gebe zu: auch ich gehöre zu denen, die im letzten Jahrzehnt keine Videothek mehr von innen gesehen haben. Ich nutze heute Netflix, Amazon Instant Video oder Apple iTunes. Auch lasse ich mir von Videobuster BluRays per Post nach Hause liefern, im Verleihmodell.

Es ist die jederzeitige Verfügbarkeit, die Streaming so attraktiv macht, die Unabhängigkeit der Ausleihdauer ist der Vorteil der Post-Verleihmodelle. Die Videotheken, die durch das Gesetz immer noch an starre Öffnungszeiten gebunden sind und nur den Tagestarif kennen, können damit einfach nicht mithalten.

Mitgliedsausweis Videocenter

Meine Kundenkarte vom Videocenter

Im Rückblick, war das Videocenter Dirrigl für mich meine erste Videothek überhaupt. Damals, noch minderjährig, waren Videotheken in der Regel erst ab 18 zugänglich. Das Videocenter hatte jedoch einen abgetrennten Familienbereich, in den auch ich durfte. Und so bekam ich meine eigene Kundenkarte.

Die örtliche Videothek im Dorf brauchte noch lange Zeit, bis man dort auch unter 18 Zutritt bekommen hat. Letzten Endes hatte sie gegen das Videocenter aus der Kreisstadt keine Chance und musste nach nur wenigen Jahren schließen. Heute ist dort mein Stamm-Bäcker untergebracht. Eigentlich ein ganz guter Tausch.

Der Höhepunkt des Videocenters dürfte zu dem Zeitpunkt gewesen sein, als der Familien- und Ü18-Bereich getauscht haben und man somit als Jugendlicher auf viermal so großer Fläche seine Auswahl hatte. Und als die Verleihautomaten für DVDs aufkammen, von denen das Videocenter zwei betrieben hatte – einen in Olching, einen in Fürstenfeldbruck. Ich bin mit den Automaten nie wirklich warm geworden. Entweder funktionierten sie nicht, oder mein Wunschfilm war grundsätzlich verliehen.

Die Generation der Videotheken geht nun zu Ende. Das Videocenter ist nicht die erste und wird nicht die letzte sein. Der Familie Dirrigl kann ich nur danken, dass sie Jahrzehnte lang für uns da war. Und ich wünsche ihr alles Gute für die Zukunft.

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